„Bündnis gegen Rechts“ warnt vor einer sich in Uelzen etablierenden Nazi-Szene

„Freie Kräfte markieren ihr Revier“

+

Uelzen. Die rechten Schmierereien, die Mitte November in Uelzen zu entdecken waren, sind mittlerweile wieder aus dem Stadtbild verschwunden. Für „Das Bündnis gegen Rechts“, die „Jugendantifa Uelzen“ und den Kreisverband der Linken steht jedoch fest, diese Tat dürfe nicht in Vergessenheit geraten. Denn:

Die Geschehnisse sind nach Auffassung der drei Gruppen „Ausdruck eines organisierten Handelns“.

Zur Erinnerung: In der Nacht zum 14. November hatten Unbekannte an elf Plätzen Hakenkreuze und den Schriftzug „FKU – Freie Kräfte Uelzen“ auf Straßendecken und Fassaden gesprüht. Die Polizei ermittelt seit dieser Zeit, der Verfassungsschutz ist eingebunden. Wie Polizeisprecher Kai Richter nach der Tat gegenüber der AZ sagte, gäbe es zwar einzelne Personen in der Uhlenköperstadt, die dem rechten Spektrum zuzuordnen seien, aber keine organisierte Szene. Und: „Es gibt keine Kameradschaften, die offen in Uelzen agieren.“

Aussagen, die für das „Bündnis gegen Rechts“ nicht nachvollziehbar sind. Schließlich, so das Bündnis, seien die Schmierereien im November nur eine von mehreren Aktionen mit rechtem Hintergrund in diesem Jahr gewesen. „Unmittelbar vor dem Sprühen waren in Uelzen mehr als 100 Aufkleber mit rechten Motiven und Parolen zu finden“, so Vivian Warren vom „Bündnis gegen Rechts“ im AZ-Gespräch. Darunter habe sich auch Mobilisierungsmaterial für den „Tag der Deutschen Zukunft“ Anfang Juni 2013 in Wolfsburg befunden. Ein Blick auf die Homepage zur Veranstaltung lässt keinen Zweifel daran, welche Ziele die Organisatoren verfolgen. Es ist eine Demonstration „gegen Überfremdung“, so der Wortlaut auf der Internetseite. Die Polizei, so erklärt Sprecher Kai Richter, habe keine Kenntnis über solche Aufkleber in der Stadt. Nicht verwunderlich sei dies, erklärt wiederum Vivian Warren. Die meisten von ihnen seien schnell vom „Bündnis gegen Rechts“ wieder entfernt und sichergestellt worden, damit sie erst gar nicht wahrgenommen werden.

Für ein „organisiertes Handeln“ und eine sich in Uelzen etablierende rechte Gruppierung spricht nach Auffassung von Vivian Warren auch, dass bei der Sprüh-Aktion der Name „FKU – Freie Kräfte Uelzen“ zu finden gewesen sei. Eine Bezeichnung, die so nicht zum ersten Mal aufgetaucht sei. „Die Landes-NPD dankte bereits im Frühjahr der FKU für das Anfordern von Propagandamaterial“, sagt Vivian Warren. Und in der Tat findet sich auf der Homepage der NPD-Niedersachsen zu einem Aktionstag „Raus aus dem Euro“ im April diesen Jahres folgendes Statement: „Ein ganz besonderer Dank geht an die ,Freien Kräfte‘ aus Uelzen, die noch kurzfristig Werbematerial für ihren Bereich angefordert, und erfolgreiche Aktionen in Uelzen durchgeführt haben“.

„Freie Kräfte“ werden vom Verfassungsschutz der Länder als Reaktion der rechtsextremistischen Szene auf staatliche Maßnahmen verstanden. Sie müssten als Aktionsgruppen eingestuft werden, heißt es, die auf Organisationsstrukturen verzichten und sich von parteilichen Strukturen der NPD abgrenzen. Olaf Meyer von der Antifa Uelzen-Lüneburg spricht von einem neonazistischen Weltbild der Mitglieder in den Aktionsgruppen, die keine „dröge“ Parteipolitik wie die NPD betreiben möchten. Mit den aufgesprühten Aufschriften und Symbolen auf Straßen und Fassaden sowie mit den Aufklebern, so meint Olaf Meyer , würden die „Freien Kräfte Uelzen“ nun „ihr Revier markieren“. „Davor dürfen wir nicht die Augen verschließen“, ergänzt Vivian Warren.

Das „Bündnis gegen Rechts“ versteht sich als Zusammenschluss von Menschen, die auf das Problem der rechtsextremistischen Tendenzen aufmerksam machen und ihnen entgegenwirken wollen. Bekanntheit erlangte das „Bündnis gegen Rechts“ im Zusammenhang mit den Diskussionen zum Verbleib des Bildes des früheren Bürgermeisters Farina im Uelzener Rathaus.

Von Norman Reuter

Kommentare