Steinmeier bei Elmess: Firmen haben Ausbildungssituation erkannt

Schulabbrecher im Blick

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Der kaufmännische Leiter von „Elmess“, Ralf Kießling (r.), erläuterte Frank-Walter Steinmeier (l.) und Ute Chlechowitz einzelne Produkte. Im Werk werden elektrische Heizelemente gefertigt.

nre Uelzen. Für Johannes, für Maik, für... Das Heck der schwarzen Limousine wurde gestern Abend kurzerhand zum Schreibtisch umfunktioniert.

Frank-Walter Steinmeier, früherer deutscher Außenminister und Fraktionsvorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, unterschrieb Autogrammkarten für die 14 Auszubildenden des Uelzener Unternehmens „Elmess“. Der Bundespolitiker hatte sich bei einem Gespräch mit der Firmenführung und einem Rundgang durch die Produktion einen Eindruck vom Werk verschafft, das 1966 nach einem Wechsel von Berlin nach Uelzen an der Nordallee in der Uhlenköperstadt aufgebaut wurde. Rund 300 Beschäftigte zählt das Unternehmen heute, darunter die mehr als ein Dutzend Azubis, für die der Mann aus Berlin den Stift zückte, bevor es zum SPD-Sommerfest am Herzogenplatz weiterging.

Dass es so viele Auszubildende sind, erfreute Steinmeier, wisse man doch um die Probleme, noch ausreichend Lehrlinge zu bekommen. Das Werk habe einen guten Ruf in der Region, erhalte deshalb noch Bewerbungen von Schulabgängern, aber, so Reinhard Wagner, technischer Leiter des Werkes, auch „Elmess“ sei zunehmend von der demografischen Entwicklung betroffen – dies gelte auch im Bereich qualifizierter Fachkräfte. Die Unternehmen ihrerseits hätten, so meinte Frank-Walter Steinmeier im AZ-Gespräch, die schwerer werdenden Rahmenbedingungen erkannt und reagierten, indem sie frühzeitig Jungen und Mädchen an Schulen für technische Berufe begeisterten und Lehrlinge förderten. Angesichts einer solchen Situation sei es aber nicht mehr vertretbar, dass jährlich zwischen 60 000 und 70 000 Schulabbrecher gezählt würden. „Das ist eine Zahl, die wir uns auch wirtschaftlich nicht mehr leisten können“, sagte der Fraktionsvorsitzende. Anders als unter der schwarz-gelben Regierung, so ergänzte die SPD-Direktkandidatin Kirsten Lühmann, würden bei einem Regierungswechsel keine Bildungsangebote ausgedünnt oder aber erfolgreiche Projekte durch billigere ersetzt. Dafür bedarf es aber eben eines Wechsels auf der Regierungsbank. Nach bisherigen Umfragen sieht es noch nicht danach aus, oder? Was das betreffe, so Steinmeier, orientiere man sich an der niedersächsischen Landtagswahl: „Wir führen Gespräche mit den Wählern, auch über den Gartenzaun, legen ein gutes Finish hin und dann schaffen wir das.“

Von Norman Reuter

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