Experten: Bis Öl oder Gas gefördert wird, können noch Jahre vergehen

Fracking „bereits etabliert“

Bevor in der Heide – wenn überhaupt – ein Bohrturm errichtet wird, so sagen Experten, werden noch Jahre ins Land gehen. Foto: dpa

Uelzen. Der Stichtag ist der 17. Oktober. Bis dahin hat der Landkreis Uelzen seine Stellungnahme zum Vorhaben eines amerikanischen Unternehmens, das in der Heide nach Bodenschätzen suchen will, an das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) abzugeben.

Bis aber dem US-Konzern tatsächlich eine Erlaubnis für eine Suche nach Erdgas und Erdöl in dem als Erlaubnisfeld Oldendorf bezeichneten Gebiet gestattet wird, können noch mehrere Monate ins Land gehen.

Bis Probebohrungen oder sogar eine Förderung erfolgen, vergehen sogar Jahre. Denn das Bundesberggesetz sehe mehrere Genehmigungsverfahren bei einer geplanten Förderung von Bodenschätzen vor, wie Klaus Söntgerath, Abteilungsleiter Betriebsüberwachung Energiewirtschaft beim Landesamt für Bergbau im AZ-Gespräch erläutert. Als erster Schritt sei ein „Antrag für die Erlaubnis einer Aufsuchung von Bodenschätzen“ zu stellen. Sprich: Bei einer Bewilligung eines solchen Antrages wird dem Unternehmen erlaubt, in dem Gebiet nach Bodenschätzen zu suchen. „Das bedeutet aber noch nicht, dass auf dem Areal schon Probebohrungen erfolgen oder mit Hilfe von Schallwellen die Struktur des Erdreichs ermittelt werden kann“, betont Klaus Söntgerath. Für alle Maßnahmen vor Ort, die dem Auffinden von Bodenschätzen dienen, müsse ein eigener Antrag mit einem Betriebsplan, in dem alle Arbeiten aufgeführt seien, gestellt werden. Erst nach der Genehmigung eines solchen Antrags dürfe ein Unternehmen tätig werden, zuvor könne es sich mithilfe von bereits ermittelten geologischen Daten einen Einblick verschaffen, ob beispielsweise Erdöl oder Erdgas zu erwarten seien.

Als ein „Herantasten an ein mögliches Bodenschatz-Vorkommen“ bezeichnet Hartmut Pick, Sprecher des Wirtschaftsverbandes Erdöl- und Erdgasgewinnung mit Sitz in Hannover, die Verfahrensweise. Und die Erfolgsquoten, tatsächlich Bodenschätze zu finden, seien sehr gering, ähnelten einem Lotteriespiel. „Die Chance, Erdgas- oder Erdölfelder in einer wirtschaftlich vertretbaren Größe zu finden, liegen bei 8:1“, so Hartmut Pick. Deshalb sei es in keinem Fall ausgemacht, dass das amerikanische Unternehmen, die Blue Mountain Exploration mit Sitz in New York, in der Heide aktiv wird.

Dass ausgerechnet ein US-Unternehmen sich für die Region interessiere, ist nach Aussage von Pick nicht ungewöhnlich. „Deutschland ist von der Tradition her eine alte Förderprovinz, von daher gibt es sicher geologische Hinweise, dass sich weitere Bodenschätze finden lassen“, meint der Sprecher des Wirtschaftsverbandes, dessen Mitglieder Erdgas- und Erdölproduzenten sind. 14 Prozent der in Deutschland benötigten Rohstoffe für die Energiegewinnung würden auch im Land gefördert. Und beispielsweise werde in Niedersachsen, so Hartmut Pick, so viel Erdgas produziert, dass es für den Verbrauch im Bundesland reiche. „Vor einigen Jahren war Niedersachsen sogar Erdgas-Exporteur. Die zur Verfügung stehenden Mengen an Erdgas sind nun geringer und damit nimmt auch die Fließgeschwindigkeit ab“, sagt Pick. Damit seien alternative Fördermethoden gefragt. Wie das Fracking?, will die AZ wissen. „Diese Fördermethode ist bereits etabliert“, macht Pick deutlich. Etwa ein Drittel des geförderten Erdgases in Deutschland werden mithilfe dieses Verfahrens produziert. Auch in Niedersachsen sei es bereits angewandt worden. Und: Die befürchteten Einflüsse auf die Umwelt hätten sich bislang aus Sicht der Gasproduzenten bestätigt, meint der Wirtschaftsverbands-Sprecher abschließend.

Von Norman Reuter

Kommentare