Abschluss des Projekts „Diverse City“ / 15,4 Prozent der Uelzener haben Migrationshintergrund

Fortschritt für alle Kulturen

Das Interkulturelle Frühstück ist eine Veranstaltung, die vom Stadtentwicklungsprojekt „Diverse City“ initiiert wurde. Für den morgigen Sonnabend um 10 Uhr wird wieder ein Frühstück im DRK-Mehrgenerationenzentrum an der Ripdorfer Straße organisiert. Archivfoto: Kaiser

Uelzen. Ein interkulturelles Frühstück, ein interkultureller Kalender, Integrationslotsen – das sind einige der Ideen, die das Stadtentwicklungsprojekt „Diverse City – Vielfalt in der Stadt“ realisiert hat.

Gestern wurde nach drei Jahren Arbeit das bundesweite Abschlusstreffen in Uelzen veranstaltet. Teilnehmer aus sechs kleinen und mittelgroßen Städten von Eutin bis Überlingen am Bodensee verglichen die Ergebnisse zur Verbesserung des Zusammenlebens zwischen Einheimischen und Zuwanderern. Ziel des Modellprojekts ist die Sensibilisierung der Gesellschaft, sodass unter anderem wegen des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels die Kompetenzen und Potentiale von Menschen mit Migrationshintergrund gefördert werden. In Uelzen sind es nach Angaben der Stadt rund 5300 Personen und somit 15,4 Prozent der städtischen Bevölkerung.

Im Rahmen des Projekts unter Leitung des Christlichen Jugenddorfes (CJD) Göddenstedt haben sich Vertreter aus verschiedenen Gesellschaftsbereichen mit den Themen Bildung, Arbeitsmarkt und Berufsleben, Freizeit und Kultur, Sprache und Gesundheitswesen beschäftigt. Vor allem im Bereich Gesundheitswesen sind Fortschritte zu erkennen. Dort arbeiten das Klinikum Uelzen, die Psychiatrische Klinik, das Herz- und Gefäßzentrum, der Verein Die Brücke, der Betreuungsverein und der Pflegedienst Ammann mit dem Familienservicebüro und dem CJD zusammen, berichtete Uelzens Projektkoordinatorin Saskia Rauwald. Dabei gehe es darum, sich auf die Bedürfnisse von Patienten, Pflegebedürftigen und Personal mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen einzustellen. Wichtig sei eine Sensibilisierung für andere Lebens- und Essgewohnheiten. „Arbeitsgruppen sind immer zeitlich begrenzt, jetzt muss der Alltag beweisen, dass das Projekt tragfähig ist“, sagt Erster Stadtrat Jürgen Markwardt aus dem Vorstand von „Diverse City“. Inwieweit die bisherigen Gruppen in Uelzen den Fortschritt weiterhin steuern werden, ist Thema auf der Gremiensitzung im Dezember.

Die regionale Wirtschaft hat sich mit „Diverse City“ noch nicht so weit auseinandergesetzt, wie vom CJD erhofft. Deshalb plant die zugehörige Arbeitsgruppe einen Forderungskatalog, in dem interkulturelle Themen angesprochen werden, die für Arbeitgeber wichtig sein können. Der Verein feffa e.V. und die Wirtschaftsförderung sind an der Arbeitsgruppe beteiligt. Problematisch ist weiterhin die Anerkennung von Qualifikationen, die Zuwanderer in ihrer Heimat erlangten – eine Situation, die sich nicht unbedingt lokal mit Hilfe von „Diverse City“ lösen lässt.

Ähnlich ist die Situation in den Städten Eutin und Versmold. Dort ist die Beschäftigung mit Migration im Wirtschaftsbereich ebenfalls als langfristiger Prozess zu erkennen, berichtet Johann Jendryczko vom CJD Versmold. In Eutin sei ein Umdenken in den Betrieben zu sehen, die ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können, etwa in der Gastronomie und im Handwerk. „Wo wirtschaftliche Interressen vorhanden sind, glaube ich, kann man Wirtschaftsvertreter ganz gut einbinden“, erklärt Eckart Müller-Buhmann vom CJD Eutin. In Neumarkt in der Oberpfalz nutzen die CJD-Mitarbeiter die Erfahrungen der großen international agierenden Unternehmen als Beispiel für mittelständische Betriebe. Große Konzerne seien sehr gut eingestellt auf Mitarbeiter mit Migrationshintergrund, indem sie die diversen Feiertage berücksichtigen oder bestimmtes Essen in den Kantinen anbieten.

Von Diane Baatani

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