Landtagskandidaten für Neubau bei Scharnebeck / Bürgerinitiative sorgt sich um Kanalbett bei A 39

SPD fordert Schleusenbau

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Auf einer Länge von 190 Metern soll die Schleuse Scharnebeck nach ehrgeizigen Plänen Schiffe heben. Damit können gleich zwei Schiffe in eine Schleusenwanne.

Uelzen/Scharnebeck. Als eine „Beerdigung erster Klasse“ schätzen mehrere SPD-Politiker der Region den Planungsstopp für einen Schleusenneubau bei Scharnebeck ein.

In der Politik und Wirtschaft ist ein Neubau bei Lüneburg seit einiger Zeit im Gespräch, um die Binnenschifffahrt im Hamburger Hinterland zu stärken. Mit dem Hinweis, leider keine Gelddruckmaschine zu haben, rechtfertigte Staatssekretär Enak Ferlemann den Planungsstopp (die AZ berichtete).

Eine neue Schleuse bei Scharnebeck, die den Schiffverkehr von der Elbe bis in die industriestarke Metropolregion Braunschweig-Wolfsburg beschleunigen würde, koste laut einer Machbarkeitsstudie 240 Millionen Euro.

„Planungsstopp sofort aufheben – Baurecht für eine moderne Schleuse am Elbe-Seitenkanal schaffen“ fordern jetzt drei SPD-Politiker, die sich im Wahlkampf befinden: Die Landtagskandidaten Franz-Josef Kamp (Wahlkreis Elbe) und Sylvia Meier (Uelzen) sowie Landtagsmitglied und -kandidatin Andrea Schröder-Ehlers (Lüneburg). „Die Experten sind sich einig: Um dem steigenden Güteraufkommen aus dem Hamburger Hafen gerecht zu werden, müssen zukünftig auch moderne Binnenschiffe stärker genutzt werden“, so heißt es in einer Pressemitteilung der Politiker. Und weiter: „Dafür brauchen sie verlässliche Transportwege, und das geht nur mit einer neuen, 190 Meter langen Schleuse am Elbe-Seitenkanal in Scharnebeck“.

Die geforderte Länge von 190 Metern bezieht sich auf die Länge von modernen Binnentransportschiffen: Die sind zum Teil über 80 Meter lang. Bei einem Schleusentrog von 190 Meter Länge können von diesen Schiffen zwei gleichzeitig auf das Niveau das Kanals gebracht werden und nicht – wie bisher – nur ein Schiff bei einem Trog von 100 Meter Länge.

Die SPD-Kandidaten befürchten nun, dass mit einem Planungsstopp das Schleusenprojekt immer hintenan stehen bleibe, „denn es können nicht alle zum Bundesverkehrswegeplan angemeldeten Projekte tatsächlich finanziert werden“.

Ferlemann hatte trotz des Planungsstopps angekündigt, er wolle sich starkmachen, dass die Schleuse und damit verbunden die Aufwertung des Elbe-Seitenkanals in den Verkehrswegeplan 2015 bis 2030 aufgenommen werde. Das unterstützen Kamp, Meier und Schröder-Ehlers. Genauso wichtig sei es aber, dass die Zeit genutzt werde, um das nötige Planfeststellungsverfahren voranzubringen.

Derweil sieht die „Bürgerinitiative Hohnstorf 2011“ einige ungeklärte Fragen bezüglich des Trassenverlaufs der A 39 in der Nähe des Kanals: „Verträgt sich die geplante Trassenführung der A 39 parallel zum Elbe-Seitenkanal mit den Anforderungen an eine möglichst erschütterungsfreie Umgebung des Kanals?“, fragen die Sprecher der BI. Die Wasserschifffahrtsdirektion habe vor den konkreteren Planungen für die Autobahn empfohlen, die Trasse nur bis zu 500 Meter an den Kanal heranzubringen. Das werde nun deutlich unterschritten, nun werde die Autobahn nur 80 bis 120 Meter entfernt vom Kanal verlaufen. Es sei nach Informationen der BI nicht geprüft worden, ob der Bau zu Veränderungen des Grundwasserspiegels führen könnte – das wiederum könne dem Bett des Kanals schaden. Und ohne das Abpumpen von Grundwasser könne in sumpfigem Gelände – wie beim Vierenbach bei Wulfstorf – kein Autobahnbett gebaut werden.

Die Mitglieder der BI weisen darauf hin, dass schon 1976 ein Riss des Elbe-Seitenkanals dazu geführt hatte, dass Keller vollliefen, Häuserwände einstürzten und der Schaden „in die Millionen“ gegangen sei. Die Anwohner hätten ein Recht darauf, dass alles für ihre Sicherheit getan werde.

Von Kai Hasse

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