Kreis nimmt mehr Menschen auf als die Quote erfordert / Bemühungen um Familien aus Bodenteich

Der Flüchtlingszustrom ebbt ab

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Ankunft des ersten Sonderzugs mit Flüchtlingen aus Süddeutschland im September am Uelzener Hundertwasser-Bahnhof. Zehn Züge kamen hier an, die Flüchtlinge wurden verteilt. In Uelzen sind bisher 1112 Flüchtlinge leistungsberechtigt.

Uelzen. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache: Im Dezember 2014 erhält der Landkreis Uelzen vom niedersächsischen Innenministerium eine Zuweisungsquote von 394 aufzunehmenden Flüchtlingen.

Im September 2015 folgt eine neue Zuweisungsquote, sie liegt jetzt bei zusätzlichen 594 Flüchtlingen. Es ist die Hochzeit der Flüchtlingswelle. Ein deutliches Abebben beschreibt die bisher letzte Zuweisung vom Dezember 2015: Sie liegt bei nur 30 weiteren aufzunehmenden Flüchtlingen und der Zeitraum der Aufnahme ist außerdem von Ende März auf Ende April 2016 verlängert worden.

Der Pressesprecher des Landkreises Uelzen, Martin Theine, sagte hierzu gestern im Gespräch mit der AZ: „Wir erwarten bis Ende dieser Woche 28 weitere Flüchtlinge.“ Dann habe der Kreis die Zuweisungsquote im Grunde erfüllt. Nachdem zu unterschiedlichen Gelegenheiten immer wieder die Belastungen, nicht nur der ehrenamtlichen Flüchtlingshelfer, sondern auch der Festangestellten beim Landkreis, Gesprächsthema waren, kann der Sprecher jetzt mitteilen: „Es ist sehr entspannt bei uns im Moment.“

Einen Aufnahmestopp in Uelzen wird es aber nicht geben. Bis Ende März rechne man im Kreis mit 70 weiteren Flüchtlingen, hieß es gestern. Dabei gehe es insbesondere um Bewohner für die Unterkunft Fischerhof.

Derzeit sind dort nur 20 von 120 Plätzen belegt. Man bemühe sich, so Theine, um Flüchtlingsfamilien aus der Notunterkunft des Landes in Bad Bodenteich. Die Motivation hierfür sei, dass man bei Familien von einem geringeren Konfliktpotential ausgehe als bei Einzelreisenden, beispielsweise jungen Männern, erklärte der Pressesprecher.

Zur Übererfüllung der Quote sagte Theine außerdem, dass diese auf spätere Zuweisungen durch das Land angerechnet werde. In der Zukunft müssten dann weniger Flüchtlinge untergebracht werden als eigentlich zugewiesen. Die frühere Auslastung der Unterkunft am Fischerhof bedeute keine zusätzliche Belastung des Kreishaushaltes. „Wir haben die Unterkünfte und wirtschaftlich macht das keinen Unterschied“, betonte Theine.

Derzeit sind 1112 Personen im Landkreis Leistungsempfänger nach dem Asylbewerberleistungsgesetz (AsylbLG). Jeweils über 50 Personen sind aus Algerien (58), Irak (60), Serbien (94), Afghanistan (131), Montenegro (133) und Syrien (251). Die Exoten unter den Flüchtlingen in Uelzen sind jeweils eine Person aus Sierra Leone, Simbabwe und Gabun sowie jeweils zwei aus Eritrea, Mali und Indien.

122 Flüchtlinge im Kreis sind unter sechs Jahren alt und 350 schulpflichtig (sechs bis 21 Jahre). 433 von ihnen 22 bis 35 Jahre alt und 206 sind älter.

891 bekommen Leistungen nach dem AsylbLG (§§ 1 und 3), 221 die höheren nach § 2 AsylbLG, analog zu Hartz-IV.

Von Steffen Kahl

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