TVU reagiert auf starken Zustrom von Asylbewerbern – und will sie über das Hobby erreichen

Flüchtlingshilfe auf dem Sportplatz

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Wollen die Augen vor den großpolitischen Entwicklungen nicht verschließen: Laura Schön (links), Ralf Röhl und Christiane Sander setzen sich für die Integration von Flüchtlingen ein.

Uelzen. Beim Sport werden Hürden genommen – und zwar nicht nur im athletischen Sinne, weiß Christiane Sander vom Turnvereins Uelzen (TVU).

Die Integrationsbeauftragte will auf die steigende Zahl an Flüchtlingen reagieren und Angebote für Neuankömmlinge im Landkreis künftig gezielter bewerben, denn sie ist überzeugt: „Es gibt keinen besseren Weg, als Menschen, die aus anderen Ländern kommen, über den Sport zu integrieren. “.

Für den Verein sei das nicht nur eine Aufgabe, vor der man „die Augen nicht verschließen“ dürfe, sondern gleichzeitig eine Chance: Schließlich werde am TVU auch der Ausbau von Ganztagsangeboten an Schulen nicht spurlos vorüber gehen. „Da müssen wir sehen, wie wir anders Mitglieder generieren.“

Schon jetzt haben laut Sander rund 20 bis 25 Prozent der Vereinsmitglieder einen Migrationshintergrund, zwei Drittel davon sind Kinder und Jugendliche. Da will die Integrationsbeauftragte ansetzen: Denn über die Jüngsten werde automatisch auch der Kontakt zu älteren Familienangehörigen geknüpft, die in der Regel schwerer zu erreichen seien.

Das hat auch Ralf Röhl beobachtet. Er trainiert seit vergangenem Jahr die Gorodki-Gruppe des Vereins – ein Angebot, das vom Landessportbund speziell zur Förderung der Integration von Menschen mit Migrationshintergrund unterstützt wurde. Die Sportart habe in Russland eine besondere Tradition, erklärt Röhl, und habe auch in Uelzen schnell Fans gefunden: Zwölf kommen regelmäßig zum Training, acht von ihnen haben russische Wurzeln.

Die größte „Hürde“ – die Sprachbarriere – sei schnell überwunden gewesen: „Erst geht es mit Händen und Füßen“, berichtet Röhl, „und irgendwie funktioniert es dann.“ Die Regeln hat der Trainer trotzdem zweisprachig parat. In den Pausen, wenn ein Gegner versucht, mit dem Wurfstock die fünf Holzklötze vom Feld zu schlagen, würden Tipps ausgetauscht, Wurftechniken geprobt und Freundschaften geknüpft.

Und hin und wieder, weiß Sander, könne im Verein dann auch bei Problemen, die in einem fremden Land aufkämen, Hilfestellung geleistet werden – bei Verträgen etwa, die übersetzt werden müssen, oder auf der Suche nach den richtigen Ansprechpartnern in behördlichen Angelegenheiten. Profitieren würden letztlich alle: Sander spricht von einem Kennenlernen unterschiedlicher Gebräuche und von Vorurteilen, die abgebaut würden. Noch so eine Hürde.

Die Integrationsbeauftragte hat sich inzwischen von anderen Verpflichtungen im Sportverein verabschiedet, um sich stärker als Netzwerkerin einzubringen – schließlich müssten die Angebote auch an den richtigen Stellen beworben werden.

Röhl hat die Flyer für seine Gorodki-Gruppe vor einem Jahr in einem russischen Spezialitätenladen ausgelegt. Die meisten Flüchtlinge aber, die Deutschland erreichen, stammen aus Syrien: Um sie zu erreichen will Christiane Sander jetzt Kontakt zur Stadt Uelzen und zur Diakonie aufnehmen. Einige Hürden sind noch zu nehmen.

Von Anna Petersen

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