Geflüchteter Afghane wird in Uelzer Malereibetrieb ausgebildet / Projekt der Handwerkskammer

Flüchtling in Uelzer Malereibetrieb: „Die Arbeit ist toll“

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Streichen, spachteln, lackieren – für Ahmad Sarwari beginnt mit der Ausbildung im Malereibetrieb Axel Timm mit 37 Jahren eine neue berufliche Karriere – Dank eines Integrationsprojekts.

Uelzen. „Streichen, spachteln, lackieren -- ich habe schon viel gelernt“, berichtet Ahmad Sarwari von seinen ersten Wochen als Auszubildender im Malereibetrieb Axel Timm. Und: „Die Arbeit ist toll."

Sarwari ist Afghane, er flüchtete 1998 aus seinem Land, verdingte sich in Russland und Weißrussland als Verkäufer, bevor er nach Afghanistan zurückkehrte und aufgrund erneuter Kriegswirren noch einmal flüchtete und in schließlich Uelzen landete.

Dass der 37-Jährige seine Frau und die zwei Kinder künftig als Maler ernähren könnte, liegt an einem Integrationsprojekt der Handwerkskammer. Im Rahmen dieses Projektes wurde seit Anfang des Jahres ein Kompetenzfeststellungsverfahren durchgeführt und 91 Teilnehmer in Ausbildungen oder Festanstellungen vermittelt. Die Handwerkskammer führt das Projekt durch, gefördert wird es vom Niedersächsischem Wirtschaftsministerium, und Partner vor Ort sind die Jobcenter, die Interessierte an die Bildungszentren der Handwerkskammern vermitteln. Aufgrund der landesweit erfolgreichen Zwischenbilanz wurde das Projekt jetzt durch die Landesregierung bis 2019 verlängert.

Im Uelzener Beispiel lief das Projekt so: Sarwari hat sich zunächst bei Meister Axel Timm als Praktikant bewährt. Er erwies sich als lernfähig und schnell. Er lieferte gute Arbeit ab und war dem Chef darüber hinaus sympathisch.

So schließt der Flüchtling eine Lücke. Denn schwer sei es, so Timm, überhaupt Nachwuchs für die Arbeit zu begeistern. Erst sein Sohn füllte zuletzt nach 15 Jahren die Ausbildungslücke. Auch die Qualität der Bewerber sei ein Problem. „Bis jetzt hatte ich nicht das Glück, jemanden zu finden, der so gut ist“, so Timm in Bezug auf Sarwari. Die meisten jungen Leute, so Timm weiter, wollten gar keine Arbeit – die könne einem schließlich „den ganzen Tag versauen“.

Und während Ahmad Sarwari Chef, Kollegen und Arbeit mit den Worten „ich habe viel Glück gehabt“ lobt, blickt sein Meister Axel Timm schon in die Zukunft. Demnächst beginnt bei ihm ein neuer Praktikant – aus Syrien.

• Informationen zum Projekt bei der Handwerkskammer unter (04131) 71 23 31.

Von Steffen Kahl

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