Fliesenleger oder Polizist?

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Führen oder sich führen lassen? Real- und Hauptschüler durchlaufen in der Stadthalle einen Parcours zur Berufsorientierung und Lebensplanung. Dabei machen sie sich bewusst, wo ihre Kompetenzen liegen.

Uelzen. 480 Achtklässler von den Real- und Hauptschulen im Landkreis Uelzen durchlaufen in diesen Tagen in der Stadthalle einen Parcours zur Berufsorientierung und Lebensplanung. Die einzigen Schulen, die sich nicht daran beteiligen, sind die Theodor-Heuss-Realschule und die Ebstorfer Realschule. Von Diane Baatani

Die Agentur für Arbeit hat zusammen mit dem Landkreis und regionalen Partnern dieses bundesweite Projekt der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung nach Uelzen geholt. Die Aktion für Real- und Hauptschüler kostet 40 000 Euro, davon zahlt die Agentur 50 Prozent, die anderen 20 000 Euro werden vom Europäischen Sozialfonds bezuschusst. Entwickelt, organisiert und durchgeführt wird der Parcours vom Sinus-Büro für Kommunikation.

Heute Abend wird zusätzlich ein Elternabend in dem Parcours veranstaltet, damit auch Erziehungsberechtigte lernen, wie sie ihre Kinder bei der Zukunftsplanung unterstützen können.

An verschiedenen Stationen finden innerhalb von zwei Stunden die Jugendlichen ihre Stärken heraus und erhalten für die Erfüllung ihrer Aufgaben Abzeichen aus Bereichen wie Organisation, Kreativität, handwerkliches Geschick oder Hilfsbereitschaft. Sie durchlaufen alltägliche und weniger alltägliche Situationen. In einer „sturmfreien Bude“ können sie aufräumen und das Bett beziehen. Ein kleiner Ansporn für die Personen, die handwerklich weniger talentiert sind: Wer in dem Parcours gerne shoppen gehen möchte, muss zuerst den verstopften Abfluss in der Spüle reparieren. Im Fernsehen schauen sie die „Love line“, das heißt, sie sprechen mit der Leiterin der Beratungsstelle Pro Familia, Renate Feldhusen, über ihre Vorstellungen von ihrer Zukunft, über Lebensplanung und damit verbunden über Verhütung.

Den meisten Schülern gefällt am besten die „sturmfreie Bude“, so etwa auch Jennifer Feller und Patrick Woltersdorf. Beide haben schon genaue Pläne für ihre Zukunft. Jennifer Feller von der Sternschule beweist in dem Parcours besondere Fähigkeiten in den Bereichen Kommunikation, Kreativität und Hilfsbereitschaft. „Ich möchte Polizeibeamtin bei der Kriminalpolizei werden“, ist sie überzeugt. Den Berufswunsch hegte sie schon vor dieser Aktion in der Stadthalle.

Patrick Woltersdorf hatte am meisten Spaß an der Pizzabestellung in der „sturmfreien Bude“. Dabei herausgekommen sind Abzeichen für die Fähigkeit, mit Zahlen umzugehen und für Kommunikation Eigenschaften, die ihn auszeichnen. Sein Berufswunsch? „Fliesenleger“, sagt Patrick Woltersdorf. Auch er hatte sich schon zuvor diese Richtung entschieden.

In einem Labyrinth erfüllen die 13- und 14-Jährigen ebenfalls bestimmte Aufgaben. Sie spielen „blind und lahm“: Mit einer blickdichten Brille oder mit Gehhilfen ausgestattet, suchen sie sich ihren Weg durch das Labyrinth und werden von ihren Partnern in der Gruppe unterstützt.

Im Zeittunnel geht es etwas ruhiger zu. Die Achtklässler setzen sich damit auseinander, wie ihre aktuelle Situation aussieht und wo sie im Jahr 2020 landen möchten. Dabei geht es um die Reihenfolge der Lebensabschnitte sowie Familienplanung. Denn gerade Schwangerschaften von Teenagern waren der Auslöser für dieses Projekt, erläutert Veranstalter Till Hoffmann vom Sinus-Büro für Kommunikation.

Zum Abschluss werden die gesammelten Abzeichen ausgewertet, die Jugendlichen ermitteln ihre Kompetenzen und besprechen mit ihren „Reisebegleitern“, Vertreter aus der Arbeitsgemeinschaft Soziale Dienste, die geeigneten Berufsbilder und passende Unternehmen in der Region. An den jeweiligen Stationen werden den Schülern auch Beratungsstellen genannt, an denen sie weitere Informationen erhalten können.

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