150 Einsatzkräfte löschen brennenden Betrieb

Flammenmeer mitten in Suhlendorf

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Die Tischlerei ist nicht mehr zu retten: Aber angrenzende Häuser können durch den Einsatz von 150 Feuerwehrmännern und 20 Fahrzeugen vor den Flammen geschützt werden.

Suhlendorf/Westerweyhe. Es ist ein stiller Moment des Innehaltens: Dirk Henkmann wird von seiner Frau in den Arm genommen. Das Ehepaar blickt auf die Trümmer, die am Freitag noch eine Tischlerei waren. Dirk Henkmann führte sie in der dritten Generation.

Fenster und Türen entstanden dort. Der Großvater baute die Tischlerei im Herzen Suhlendorfs in den 1930er-Jahren auf, in den darauffolgenden Jahrzehnten wird sie immer wieder modernisiert und ausgebaut. In der Nacht zum Sonnabend wird der Betrieb jedoch ein Raub der Flammen.

Am Tag nach dem Brand löscht die Suhlendorfer Wehr noch einmal nach, damit Glutnester nicht wieder ein Feuer entfachen.

Es ist gegen 2.20 Uhr, als eine 72-jährige Suhlendorferin, so schildert es die Polizei, von einem lauten Knacken wach wird. Sie muss zu ihrem Entsetzen feststellen, dass die unmittelbar an ihr Haus angrenzende Tischlerei brennt. Feuerwehren werden alarmiert, zunächst im Südkreis. Dann werden auch Kräfte aus dem Gebiet Rosche und aus Uelzen geordert. Denn: Die Bebauung an der Tischlerei ist eng; Flammen drohen auf andere Gebäude überzugreifen. Das kann mit einem Großaufgebot von rund 150 Feuerwehrkräften und 20 Fahrzeugen verhindert werden. Das Gebäude ist jedoch nicht zu erhalten: „Es war nichts mehr zu retten“, sagt Dirk Henkmann im Gespräch mit der AZ.

Ein am Gebäude geparktes Auto, das zum Betrieb gehört, brennt noch völlig aus. Von angrenzenden Häusern bersten die Scheiben. Es gibt Schäden wegen des Löschwassers. Und an einem Apfelbaum auf der anderen Straßenseite hängen verkohlte Früchte.

Eine Nachbarin schildert, dass ihr Mann, der in der Westerweyher Feuerwehr ist, wegen des Brandes alarmiert wurde. Als er zum Gerätehaus eilen will, erkennt er, dass es nur wenige Meter von seinem Haus brennt. Über Stunden kämpft er mit den Kameraden gegen die Flammen, seine Frau bekommt in dieser Nacht auch keinen Schlaf. Am Morgen danach steht sie mit Nachbarn zusammen auf der Straße und betrachtet, was das Feuer übrig ließ: Ein Berg von Steinen, Schutt und Asche. Aus ihm steigen kleine Rauchsäulen auf. Die Feuerwehr ist noch vor Ort und löscht nach.

"Es war nichts mehr zu retten." Dirk Henkmann, Eigentümer der Tischlerei

Das gleiche Bild auch noch einmal in Westerweyhe. Dort wurde ein unbewohntes Haus ein Raub der Flammen.

Das gleiche Bild gut 25 Kilometer entfernt in Westerweyhe. Dort werden am Sonnabend-Vormittag noch einmal 600 Liter Wasser auf die Brandruine im Grünen an Straße „Am Waterbusch“ gesprüht, damit mögliche Glutnester nicht wieder ein Feuer entfachen. Am späten Freitagabend schlagen dort die Flammen aus dem Gebäude. Die Feuerwehren Westerweyhe, Kirchweyhe und Uelzen rücken gegen 23 Uhr aus, können jedoch nicht verhindern, dass das Haus bis auf die Grundmauern niederbrennt. Es ist glücklicherweise unbewohnt, aber keine 100 Meter trennen es zu den Tennisplätzen sowie zu den ersten kleinen Häusern und Wohnwagen, die auf dem Gelände des Westerweyher Uhlenköper-Camps stehen.

Swantje Körding vom Uhlenköper-Camp weiß zu berichten, dass Gäste der Anlage auch die Feuerwehr und Polizei über den Brand informierten. An Schlafen ist dann auf dem Campingplatz nicht mehr zu denken. „Wir haben die Beleuchtung auf der Terrasse eingeschaltet, damit sich die Menschen, die nicht in den Zelten oder Wohnwagen bleiben wollten, dort hinsetzen konnten“, so Swantje Körding. Etwa drei Stunden dauert es, so Westerweyhes Ortsbrandmeister Peter Schmidt, bis das Feuer gelöscht ist.

Die Polizei beziffert den Schaden in Westerweyhe auf rund 100 000 Euro; in Suhlendorf auf rund 500 000 Euro. Die Ermittler schließen weder einen technischen Defekt noch eine Brandstiftung aus. In Suhlendorf wird am Tag nach dem Brand erzählt, es seien Stimmen von Jugendlichen vor dem Ausbruch des Feuers an der Tischlerei gehört worden.

Dirk Henkmann ist froh, dass niemand zu Schaden kam. Er will, so sagt der 46-Jährige am Sonnabend, den Betrieb wieder aufbauen.

Von Norman Reuter

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