Windräder schon geplant: Politik macht Grundstückseigentümern vielleicht Strich durch die Rechnung

Flächenbesitzer im „Luftloch“

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„Dunkle Wolken“ sind über den Plänen von Grundstückseigentümern aufgezogen, die in der Region neue Windkraftanlagen planten. Die Politik könnte ihnen heute Abend einen Strich durch die Rechnung machen.

Bornsen/Hoystorf/Böddenstedt. Sie hatten bereits mit Planern und Investoren verhandelt und könnten nun leer ausgehen:

Die in den vergangenen Monaten überarbeitete Auswahl für neue Windenergie-Gebiete im Landkreis Uelzen hat Flächeneigentümer bei ihren Plänen, Windräder auf ihren Grundstücken zu errichten und Bürgerwindparks zu etablieren, ausgebremst. Ursprünglich von der Kreispolitik noch in den Blick genommene Areale sind in der neuen, 24 Standorte umfassenden Liste möglicher Windenergie-Flächen (AZ berichtete) nicht mehr enthalten.

• Beispiel Fläche „Bahnsen-Bargfeld“: Christian Döhrmann aus Böddenstedt plante mit einem Investor dort Windkraftanlagen. Das Areal ist in der aktuellen Auswahl nicht mehr berücksichtigt. „Grund ist die von der Politik vorgebrachte drei Kilometer-Regelung“, schildert Döhrmann. Wie berichtet, soll mit einem Mindestabstand von drei Kilometern zwischen Vorrangflächen verhindert werden, dass Ortschaften von Windrädern „umzingelt“ werden. Bei Graulingen stehen bereits fünf Windräder. Zur Fläche, auf der Christian Döhrmann tätig werden wollte, sind es keine drei Kilometer. Das Areal wurde herausgestrichen. Bleibe es bei der Auswahl, seien die bisherigen Verträge mit seinem Investor hinfällig, sagt Döhrmann.

• Beispiel Fläche „Hoystorf“: Grundstückseigentümer wollten an der B 4 einen Bürgerwindpark aufbauen. Auch ihr Vorhaben ist ins Stocken geraten, ebenfalls wegen der drei Kilometer-Regelung, wie Friedrich-Karl Bodin, einer der Flächenbesitzer berichtet. Auf der gegenüberliegenden Seite der B 4 gebe es bereits den Windpark Emmendorf. Der Kreis könnte diesen um die Fläche Hoystorf erweitern, doch die Bundesstraße und eine Stromhochleitung würden als Trennung verstanden, sagt Bodin. Damit seien es zwei Gebiete, die zu nah einander liegen würden.

• Und Beispiel Fläche „Bornsen“: Acht Eigentümer bemühten sich um einen Betreiber für fünf Windräder zwischen Bornsen und Velgen. Das 54 Hektar große Gebiet befindet sich in einem Landschaftsschutzgebiet, hätte jedoch nach Beratungen der Politik im Herbst aus diesem herausgelöst werden können. Ein Vorhaben, von dem die Politik wieder Abstand nahm.

Noch ist das letzte Wort zur Windenergie-Liste nicht gesprochen, aber eine verbindliche Entscheidung könnte in einer Sondersitzung des nicht öffentlich tagenden Kreisausschusses heute Abend getroffen werden, nachdem die Politik in der vergangenen Woche die Abstimmung verschoben hatte. Bei einem so gewichtigen Thema wolle man alles noch einmal prüfen, hieß es. Für Christian Döhrmann ein letzter Strohhalm, an den er sich klammert: „Meine Hoffnung ist, dass die Vernunft siegt und die Politik eine mutige Entscheidung trifft“, sagt er. „Wir leben in einer strukturschwachen Region. Mit der Windenergie haben wir ein ökologisches Exportgut.“ Die Stadt Uelzen habe Schulden, Kommunen hätten die Entschuldungshilfe erhalten. Mit der Windenergie könnte es neue Einnahmequellen geben. Bleibe es bei der Auswahl, werde Wirtschaftskraft verschenkt, so Döhrmann.

Friedrich-Karl Bodin wird noch grundsätzlicher: Projekte wie der Bürgerwindpark bei Hoystorf, bei dem die Erträge in der Region blieben, würden die gesellschaftliche Akzeptanz von Windrädern in der Landschaft fördern. „Wir haben eine Chance, etwas zu verändern“, sagt er.

Von Norman Reuter

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