Kurioser Prozess am Amtsgericht: Keiner weiß, was los war / Einstellung gegen Geldauflage

Mit der Faust aufs Auge

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Aus heiterem Himmel traf ihn eine Faust aufs Auge – deswegen zog Matthias L. jetzt vor das Amtsgericht.

Uelzen. Dem Bodenteicher Matthias L. ging es ums Prinzip: Er habe zwar nach der Behandlung seiner Platzwunde über dem linken Auge im Krankenhaus Wittingen bald wieder arbeiten können, aber dass er aus heiterem Himmel geschlagen wurde, sei nicht in Ordnung.

Deswegen habe er den Vorfall angezeigt, der jetzt am Uelzener Amtsgericht unter dem Vorsitz von Strafrichter Tore Larsen verhandelt wurde.

Was in der fraglichen Nacht, am 3. Oktober 2015, gegen 1 Uhr, in der Bad Bodenteicher Kneipe „One Way“ geschehen war – und vor allem: warum – wusste L. nicht. Er habe in seiner Stammkneipe gemütlich Bier getrunken, schon bezahlt gehabt und die Kneipe nur noch nicht verlassen, weil er noch austrinken wollte, berichtete der 45-jährige Maurer. Dann traf ihn ein Faustschlag. „Völlig unvermittelt“, so L. und ohne dass er ihn in irgendeiner Form einordnen konnte. „Es war vorher kein Streit, nichts. Einfach bumm – dann hatte ich einen sitzen. Und meine Brille war Matsch.“ In der Kneipe sei öfter mal „Bambule“, aber jener Abend ganz ruhig gewesen.

Das fehlende Wissen um das Motiv teilte L. mit dem Angeklagten Raik N. aus der Samtgemeinde Aue. Der gab zu Protokoll, zwei Tage seinen 37. Geburtstag gefeiert zu haben. Am 2. Oktober vormittags sei das losgegangen. Die Besucher hätten gewechselt. Rum, Gin und eine „dritte helle Flasche“ habe es gegeben. Dazu „reichlich Bier“.

Dass er und seine Freunde mit Taxifahrerin „Helga“ unterwegs waren, wusste N. noch zu berichten. Und dass die Fahrt zu einer Soltendiecker Kneipe zu nichts führte: „Die war zu. Und dann sind wir wieder zu mir“, so N.

Erst am Tag nach dem Vorfall und durch Gespräche mit Freunden dämmerte es ihm, dass etwas nicht in Ordnung gewesen sei, sagte N. vor Gericht. Seine Versuche L. ausfindig zu machen, um sich zu entschuldigen, schlugen fehl. Und er stellte sie daraufhin ein. Vor Gericht konnte er die Entschuldigung nachholen. L. nahm diese an und die beiden Männer verabschiedeten sich fast herzlich – als würden sie das nächste Bier zusammen trinken.

Richter Larsen stellte das Verfahren gegen Geldauflage ein. „Sie sollen merken, dass Sie einen Fehler gemacht haben“, sagte er zu N.

Von Steffen Kahl

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