Von Woche zu Woche

Fatale Geheimniskrämerei

Es sind Nachrichten, die beunruhigen. In Medingen sammeln Anwohner Unterschriften gegen die Einrichtung einer zweiten Flüchtlings-Sammelunterkunft in ihrem Ortsteil, weil sie unter anderem eine Abwertung ihrer Immobilien durch die neue Bewohnerstruktur befürchten.

Nun mag man es als makaber empfinden, einen möglichen Wertverlust von Immobilien gegen das Leben von Menschen aufzuwiegen, von denen manche Grausames erlebt haben und die mit nichts als ihrer Kleidung bei uns eintreffen.

Doch das greift zu kurz. Denn sollte auch das ehemalige Hotel Vier Linden mit Flüchtlingen belegt werden, hätte sich die Bevölkerungsstruktur Medingens in der Tat einschneidend verändert. Sie würde zu knapp 20 Prozent aus Flüchtlingen bestehen.

Und bei der Bewältigung des – zugegebenermaßen geradezu explodierenden – Flüchtlingsstroms in den Landkreis Uelzen hat die Kreisverwaltung zumindest in der Anfangsphase Fehler gemacht, die das Vertrauen der Bevölkerung in die Arbeit der Behörde nicht gerade gefördert haben.

Da ist zum einen die Bewohnerstruktur in der ersten Belegungsphase in der „Villa im Park“ zu nennen, die vergangenes Jahr zu Gewaltexzessen führte und die Bevölkerung erheblich beunruhigte. Bei der Betreuung dieser Menschen fast ausschließlich auf ehrenamtliches Engagement zu setzen, erwies sich als zu kurz gedacht. Jetzt bedient sich der Kreis professioneller Hilfe bei Betreuung und Aufsicht und es ist ruhig geworden um die „Villa im Park“.

Das ist natürlich eine große Erleichterung für alle Beteiligten, aber vergessen sind die Vorfälle in der Bevölkerung nicht. Und so mutet es umso fataler an, wenn bei der Suche nach weiteren Sammelunterkünften der Eindruck der Geheimniskrämerei vermittelt wird. Treffen wie das eines kleinen Zirkels hinter verschlossenen Türen, der die Unterbringung von bis zu 150 Flüchtlingen in der ehemaligen Bad Bodenteicher BGS-Kaserne vorbereiten und die Öffentlichkeit dann praktisch vor vollendete Tatsachen stellen soll, haben eine fatale Außenwirkung.

Statt die Bevölkerung mitzunehmen bei diesem so wichtigen und notwendigen Anliegen, Menschen in Not bei uns unterzubringen, schüren die Verantwortlichen zunächst einmal Misstrauen. Diese Stimmung dann wieder einzufangen, ist schwer bis unmöglich – ganz abgesehen davon, dass ein solcher Prozess einen denkbar schlechten Start für die Flüchtlinge bedeuten kann, die dort einziehen werden.

Der Landkreis muss bei der Thematik „Unterbringung von Flüchtlingen“ versuchen, verspieltes Vertrauen bei der Bevölkerung wieder zu gewinnen. Und auch deshalb sollte die Kreisverwaltung ihre Energie nicht darin verschwenden, fieberhaft nach Leitfäden für die Medien zu suchen und dann bei einer Pressekonferenz den Journalisten „Formulierungshilfen für die Berichterstattung im Einwanderungsland“ zu überreichen; offenbar in der Hoffnung, dass zumindest das Presseecho künftig etwas blumiger ausfällt, wenn es in Sachen Flüchtlingspolitik schon nicht ganz glücklich läuft.

Von Thomas Mitzlaff

Rubriklistenbild: © Koller

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