Gesetz zur Sterbehilfe? Pastor, Ärztin und Hospizdienst äußern Bedenken

Falsche Botschaft für den Tod

+
Bei ihrer Arbeit hat der Patientenwille oberste Priorität: Dr. Ulrike Heesemann (links) und Anna Schulz.

Uelzen. Die Bitte eines Patienten, sein Leben zu beenden, hat Dr. Ulrike Heesemann nicht nur einmal gehört. Diesem Wunsch nachkommen darf und will die Leiterin der Palliativstation des Uelzener Klinikums jedoch nicht.

„Ich persönlich kann manchmal verstehen, dass ein Mensch sterben will, aber ich kann es nicht verantworten. “.

Der Bundestag will 2015 einen neuen Anlauf für eine gesetzliche Regelung der Sterbehilfe unternehmen. Sechs Abgeordnete um Bundestagsvizepräsident Peter Hintze (CDU) wollen Todkranken die Möglichkeit zur ärztlich assistierten Selbsttötung geben. In der entbrannten Diskussion um die Grenzen der Sterbehilfe steht für den Vorsitzenden des Hospizdienstes des Landkreises, Martin Boyken, fest: „Wir sind strikt dagegen, dass Sterbehilfe – in welcher Form auch immer – als Geschäftsmodell praktiziert werden darf.“ Der Verein betreut mit 40 Ehrenamtlichen Menschen auf der letzten Wegstrecke ihres Lebens. Dabei sei es auch schon vorgekommen, dass sich Patienten mit einer Überdosis an Tabletten eingedeckt hätten. „Die Leute behalten es meistens für sich – ihrer Familie und dem Arzt gegenüber –, weil sie denken, sonst würde ihnen eine Möglichkeit genommen.“ Dahinter stehe oft der Wunsch nach Selbstbestimmung, glaubt Boyken. Es müssten dann Alternativen aufgezeigt werden – etwa die Palliativmedizin, die nicht vorrangig die Verlängerung der Überlebenszeit todkranker Patienten zum Ziel hat, sondern die Beherrschung von Schmerzen für mehr Lebensqualität. „Der Wunsch, das Leben zu beenden, wird häufig auch von Einsamkeit getragen“, weiß Heesemann, oder auch der Angst davor, Angehörigen zur Last zu fallen. Oft helfe dann ein klärendes Gespräch. „Und manchmal reicht es auch schon zu erklären, dass es etwas gegen die Schmerzen gibt.“ Sind Schmerzmittel in großen Mengen nötig, kann das als Nebenwirkung auch den Tod beschleunigen. Diese Art der Lebensverkürzung – die indirekte Sterbehilfe – ist nicht strafbar.

In einer „Lockerung“ der bisherigen Gesetzeslage erkennt Pastor Reinhard Klingbeil von der Kirchengemeinde St. Marien eine Gefahr, „weil die Botschaft entstehen könnte, dass das Leben nur lebenswert ist, wenn es heil und selbstbestimmt ist und es dazu führen könnte, dass der Mensch, der sterbenskrank ist, das Gefühl hat, eine Last zu sein für die Gesellschaft und Angehörige.“ Klingbeil: „Ich frage mich, ob nicht diese Entscheidungen an der Grenze des Lebens manchmal eine Nummer zu groß für uns Menschen sind.“

Von Anna Petersen

Einen weiteren Artikel zum Thema Sterbehilfe sowie ein Blick in die Palliativ-Station des Krankenhauses Uelzen finden Sie am Freitag im E-Paper und in der gedruckten AZ.

Mehr zum Thema

Kommentare