Clemens Krauß (11) reist zum Bundesfinale im Vorlesen

Ein Faible für lustige Literatur

Lieblingsbücher hat er jede Menge – nämlich immer das, das er gerade liest: Clemens Krauß. Foto: Bräutigam

Uelzen. Wenn magische Krieger einen sturmumtosten Planeten erobern wollen und dabei gegen unheimliche Mächte kämpfen müssen, dann hat Clemens Krauß schon keine Lust mehr. „Fantasy ist nicht so mein Ding“, winkt der elfjährige Uelzener ab.

Sein Herz schlage eher für Krimis und witzige Bücher, verrät er. Vor allem aber schlägt sein Herz überhaupt für Bücher und fürs Lesen. Und deshalb vertritt Clemens auch von Montag bis Mittwoch in Berlin das Land Niedersachsen beim Bundesfinale im Vorlesewettbewerb.

Wenn er von Lesetechniken und Klappentexten, von Lieblingsbüchern und seinen weiteren Leidenschaften – dem Musizieren auf Klavier und Schlagzeug und dem Theaterspielen – erzählt, strahlen seine blauen Augen mit den Sommersprossen auf der Nase um die Wette. Nicht nur, wenn er vorliest und kurz darauf um sich herum alles vergisst, nein, auch im Gespräch von Angesicht zu Angesicht ist er voll der Gesten und Mimik: Mal legt sich zweifelnd die Stirn in Falten, dann verzieht er den Mund zu einem breiten Grinsen, verschränkt keck die Arme vor der Brust und zieht erstaunt die Augenbrauen hoch. Ein lebhafter und aufgeweckter Junge, bestätigt Vater Stephan Krauß, sei sein Filius schon immer gewesen.

Bereits als kleines Kind fand Clemens Gefallen an Büchern – damals ließ er sich gern vorlesen. Später dann vertiefte er sich lieber selber in einen Schmöker nach dem anderen. So sehr, dass seine Eltern ihn nicht selten auch heute noch ermahnen müssen, abends endlich das Licht auszuschalten. „Manchmal ist es dann schon elf Uhr“, grient der Elfjährige, der am liebsten im Bett liest. Und mit hochgezogenen Schultern und Unschuldsmiene argumentiert er: „Wenn ich ein tolles Buch lese, will ich ja auch wissen, wie es ausgeht, und dann lese ich noch eine Seite und noch eine und immer weiter.“ Auf die Frage, welches denn sein Lieblingsbuch sei, gibt der Steppke eine verblüffende Antwort: „Immer das, das ich gerade lese.“

In den vorangegangenen Wettbewerben auf Schul-, Landkreis-, Bezirks- und Landesebene hat Clemens bereits bewiesen, dass er sowohl mit dem Lampenfieber kurz vor dem Vorlesen als auch mit jenen drei Minuten voller Konzentration gut umgehen kann: Nicht zu schnell dürfe man lesen, „damit man jedes Wort versteht“, erklärt er. Trotzdem dürfe man nicht zu viele und zu lange Pausen machen. „Stottern geht auch gar nicht“, weiß der Sechstklässler vom Herzog-Ernst-Gymnasium. Eigentlich sage ihm der Buchtext, wie er zu lesen habe. „Wenn da steht ‘schrie er’, dann werde ich natürlich auch laut“, erklärt Clemens, „und wenn in dem Buch jemand flüstert, dann lese ich auch leise – aber so, dass man es noch versteht.“

Seine Textpassagen, die er den Jurys vorliest, wählt er nach einem Kniff aus, den ihm seine Mutter beigebracht hat: Den Anfang des Buches lesen, dann den Schluss und noch den Klappentext. „Dann blättere ich mitten im Buch und suche nach einer guten Stelle.“ Und die muss, wie gesagt, vor allem witzig sein, findet Clemens. Dazu überlegt er sich noch einleitende Sätze, „damit der Zuhörer auch weiß, worum es geht“.

Aus welchem Buch er in Berlin vorlesen wird, das weiß Clemens noch nicht. Erst kurz vorher können sich er und seine Konkurrenten aus den anderen Bundesländern aus einer von der Jury vorgegebenen Auswahl ihr jeweiliges Buch heraussuchen. Aber auf eines wird der Elfjährige ganz sicher auch beim Bundesfinale achten: dass es in dem Buch, aus dem er vorliest, lustig zugeht.

Von Ines Bräutigam

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