Bad Bevensen geht in die Offensive: Unternehmen und Stadt werben um Mitarbeiter in Pflege

„Fachkräftemangel ist immens“

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Berufe mit Anspruch: Der bedarf an qualifizierten Pflegekräften ist in Krankenhäusern, Altenheimen und Pflegeeinrichtungen sowie beim mobilen Pflegedienst groß. Bad Bevensen versucht Wege zu finden, um Fachkräftemangel zu entgegen.

Bad Bevensen. Die Kurstadt Bad Bevensen geht gegen den Fachkräftemangel in die Offensive – und zwar insbesondere im Bereich Gesundheit und Pflege.

Beim Besuch von Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) in der Jod-Sole-Therme Ende Dezember hatte Bad Bevensens Bürgermeister Martin Feller (Grüne) bereits mehr Unterstützung vom Land gefordert, nun wird er noch konkreter: „Gerade am Gesundheitsstandort Bad Bevensen brauchen wir qualifizierte Kräfte in den Bereichen Krankenhäuser und Pflege“, erklärt er. Gemeinsam mit Vertretern von Kliniken, mobilen Diensten, Alten- und Pflegeheimen möchte die Stadt Pläne schmieden, wie die Kurstadt für Arbeitnehmer interessanter werden könnte. „Wenn wir Arbeitnehmer aus anderen Regionen abwerben wollen, müssen wir Bad Bevensen bewerben und besondere Angebote machen. Das beginnt bei dem kulturellen Angebot für Jüngere und erstreckt sich bis zu flexibleren Kinderbetreuungszeiten“, sagt Feller. Die Stadt könne sich angesichts klammer Kassen nicht finanziell beteiligen, würde sich aber beispielsweise dafür einsetzen, dass genügend Wohnraum bestehe. Vorstellen könne Feller sich auch, dass Unternehmen „Angebotspakete“ schüren, die Mitarbeitern Vergünstigungen im Alltag ermöglichen – beispielsweise in Zusammenarbeit mit der Jod-Sole-Therme.

Ein Weg, den Kerstin und Henning Effe, Inhaber eines mobilen Bad Bevenser Krankenpflegedienstes, bereits gehen: Für ihre rund 30 Mitarbeiter übernehmen sie beispielsweise einen Anteil der Nutzungsgebühr für das Fitnesscenter in der Diana-Klinik. Zudem würden sie sich um flexible Arbeitszeiten bemühen. Henning Effe begrüßt die Initiative von Bürgermeister Martin Feller, sieht jedoch vor allem die betroffenen Unternehmen in der Pflicht: „Wer einen Job anzubieten hat, muss tätig werden“, sagt Hennig Effe auf Nachfrage der AZ. „Der Fachkräftemangel ist immens bei uns. Wir bekommen keine qualifizierten Kräfte.“ Seiner Ansicht nach liege das Problem weniger im Standort Bad Bevensen. Pflegeberufe hätten ein Image-Problem und müssten zudem oftmals zu unattraktiven Rahmenbedingungen ausgeführt werden: „Es ist schwere Arbeit, die nicht ausreichend entlohnt wird“, findet Effe klare Worte.

Das Herz- und Gefäßzentrum Bad Bevensen (HGZ) benötigt aufgrund der hochspezialisierten Abteilungen hochqualifiziertes Personal. Darum beschäftigt das HGZ auch einen großen Anteil an Intensiv-Pflegekräften, wie HGZ-Pressesprecherin Birga Berndsen erläutert. „Wichtig ist für das HGZ, dass Mitarbeiter Mitarbeiter werben. Aus diesem Grund ist der gute Ruf der verschiedenen Abteilungen auch sehr bedeutend“, sagt Berndsen. Aktuell habe das HGZ keine Probleme, Mitarbeiter zu gewinnen. Die Klinik bietet, beispielsweise für junge Eltern, die Möglichkeit, in Teilzeit zu arbeiten. Zusammen mit der Diana-Klinik betreibt das HGZ die „Villa Kunterbund“, in der Kinder von Mitarbeitern betreut werden. Die Diana-Klinik bestätigt, es werde schwerer, Stellen mit qualifizierten Mitarbeitern zu besetzen. Derzeit seien jedoch keine Stellen vakant. Ein Großteil der Ärzte komme aus dem Hamburger und Lüneburger Raum.

Für Martin Feller ist das Anwerben von Fachkräften jedoch nur eine Säule, mit der der Mangel in der Pflege auf Dauer ausgeglichen werden könne. Er fordert eine Ausbildungsinitiative von Bund und Land: „Junge Menschen müssen motiviert werden, diesen Job auszuüben und entsprechend entlohnt werden.“ Darüber hinaus sieht er im europäischen Ausland Potenzial. „Bei manchen unserer Nachbarn ist die Arbeitslosigkeit hoch. Warum soll nicht ein junger Mensch aus Spanien hier als Altenpfleger arbeiten?“ In den Kliniken würden bereits qualifizierte Arbeitnehmer aus dem Ausland eingesetzt. Feller: „Ich denke, das ist ein Weg, den wir künftig wieder gehen werden. Im Rahmen des Aktionsplan Inklusion für Bad Bevensen sollten wir auch in die Richtung denken, einen Ansprechpartner für Menschen aus anderen Ländern zu stellen, der unbürokratisch hilft.“

Von Wiebke Brütt

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