Explosion auf dem Sportplatz

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Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. Nach einer Sprengstoffexplosion Anfang Juni auf dem Sportgelände der Sternschule erhebt die Vorsitzende des Uelzener Stadtelternrates, Jutta Klatt, schwere Vorwürfe gegen die Landesschulbehörde und zwei Schulleiterinnen: „Es ist eine Sauerei, dass wir Eltern über diesen Vorfall nicht informiert wurden. Da sollte offenbar heruntergespielt oder sogar vertuscht werden“, sagt Klatt.

2. Juni 2010: Am Sportgelände der Sternschule werkeln zwei 16-jährige Jungen der Theodor-Heuss-Realschule mit drei Plastikflaschen herum. Inhalt: Ein selbst gemixter Sprengstoffcocktail. „Die beiden gaben später an, dass die Flaschen immer heißer geworden seien und sie sich deshalb so erschrocken hätten, dass sie eine wegwarfen“, erklärt Polizeisprecherin Nicole Winterbur. Vor Schreck wirft einer der Jugendlichen eine Flasche weg – sie explodiert in unmittelbarer Nähe einer unbeteiligten Schülerin. Die 17-Jährige hat Glück, erleidet nur leichte Verletzungen. Mittlerweile ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen die beiden 16-Jährigen wegen Körperverletzung und Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion.

Die Anleitung zum Basteln des gefährlichen Gemisches hatten die jungen Leute im Internet gefunden. „Sie waren neugierig, ob das tatsächlich so einfach geht“, sagt die Polizeisprecherin zum Motiv. In den folgenden Tagen beschlossen die beiden Schulleitungen im Einvernehmen mit der Landesschulbehörde und der Polizei, Stillschweigen über den Vorfall zu bewahren. „Wir hatten das gemeinsame Ziel, Nachahmer zu verhindern“, erklärte jetzt ein Sprecher der Landesschulbehörde in Lüneburg. Doch die Explosion ist in beiden Schulen längst Gesprächsthema Nummer eins in den Klassenzimmern, immer wildere Gerüchte über die Hintergründe kursieren.

Sie erreichen schließlich auch die Vorsitzende des Stadtelternrates. Doch bei Nachfragen sei nur abgewiegelt worden, sagt Klatt: Die Leiterin der Heuss-Realschule und eine Mitarbeiterin der Landesschulbehörde hätten ihr gegenüber den Vorfall heruntergespielt, „sie haben gesagt, ich solle nicht so einen Wind machen“, schildert Jutta Klatt.

Doch sie sei nicht bereit, den Vorfall und das Vorgehen danach unter den Tisch fallen zu lassen, betont Klatt: „Das war eine Sprengstoffexplosion, da waren letztlich Schüler in Gefahr.“ Und der Vorfall sei nur ein weiterer Höhepunkt in einer Kette von Gewalt und Psychoterror, die an vielen Uelzener Schulen längst Alltag seien: „Probleme gibt es überall, aber die müssen konsequent von geschultem Personal geahndet werden, diese Probleme löst man nicht durch Herunterspielen.“ Klatt fordert unter anderem mehr Unterstützung für die Schulen durch psychologisches Personal, „da spart man am falschen Ende“.

Derweil zeigte sich die Landesschulbehörde am Dienstag auf AZ-Nachfrage auskunftsfreudiger. „Es sind wegen des Vorfalls Klassenkonferenzen einberufen und Ordnungsmaßnahmen einberufen worden“, erklärte ein Sprecher. Wenn einzelne Informationen nicht fließen, „kann ich mich nicht dazu äußern“.

In den betroffenen Schulen war angesichts der Sommerferien keine Stellungnahme zu bekommen.

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