„Vor Ort entscheidet sich Lebensqualität“

Ex-Vize-Kanzler Franz Müntefering (SPD) bricht in Uelzen Lanze für die Kommunalpolitik

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Uelzens SPD-Ortsvereinsvorsitzender Jan Henner Putzier zeigt dem ehemaligen SPD-Bundesvorsitzenden Franz Müntefering den Flyer mit sozialdemokratischen Kandidaten für die anstehende Kommunalwahl. Müntefering sprach gestern Mittag vor rund 50 Zuhörern in Uelzen.

Uelzen. In den Wahlkampf habe er sich nicht gestürzt, antwortet Franz Müntefering auf AZ-Nachfrage. Aber er wolle engagiert bleiben. Engagiert hat sich der einstige SPD-Spitzenpolitiker gestern Mittag für die Kommunalpolitik.

Auf Einladung der Uelzener SPD sprach der einstige Vize-Kanzler aus dem Sauerland in der Stadt-Hamburg-Passage in der Innenstadt vor rund 50 Menschen.

„Was in den Kommunen läuft, ist von zentraler Bedeutung für die Lebensqualität, auch für die ältere Generation.“ Müntefering weiß wovon er spricht, mittlerweile ist er 76 Jahre alt.

Müntefering brach eine Lanze für die Kommunalpolitik. „Sie wird von der großen Politik unterschätzt“, sagte er. Nur: Wenn Demokratie vor Ort nicht mehr funktioniere, funktioniere sie woanders auch nicht mehr. Er prangerte an, dass Kommunalpolitik vielfach in der Gesellschaft nicht mehr geschätzt werde. „Die Leute zerreißen sich das Maul, sind aber nicht bereit, sich selbst zu engagieren.“

Auch mahnte Müntefering: „Die Kommunen müssen ihr volles Augenmerk darauf richten, was im Vorschul- und im Grundschulbereich passiert.“ Gute Bildung der Kinder sichere die Wohlstandsgesellschaft der Zukunft. Auch solle man die Duale-Ausbildung nicht als Ausbildung zweiter Klasse beiseiteschieben, forderte der einstige Bundes- und NRW-Landtagsabgeordnete. Manche, die die Uni besuchten, hätten besser eine Lehre begonnen. Müntefering beklagte, dass es in Fächern wie Maschinenbau im Erstsemester eine viel zu hohe Abbrecherquote gebe. Da fehle die berufliche Orientierung. „Die Berufsorientierung in Deutschland ist nicht in Ordnung.“

Und an Uelzen direkt gerichtet: „In Zeiten, in denen fast alles auf die Metropolen ausrichtet, muss man die Attraktivität von Regionen wie Uelzen erkennen und nutzen.“ Ein Bonmot hatte er auch noch: „Mittelstädte haben ein großes Problem und das ist der Klatsch.“

Von Jens Schopp

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