Von Event-Plätzen und peinlichem Geschrei

Einer der auffälligen Plätze in Uelzen: Die Szene am Zentralen Omnibus-Bahnhof führt immer wieder zu Polizei-Einsätzen. Fotos: Ph. Schulze

Uelzen. „Sicherheit ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe, die leistbar ist. Es muss nur jeder mitmachen, mehr Verantwortung für sich selbst wahrnehmen und den Schwächeren helfen.“ Es war ein eindringlicher Appell, den Ralf Munstermann, Vorsitzender der SPD-Stadtratsfraktion, am Dienstagabend auf einer Diskussionsrunde seiner Partei an die Anwesenden richtete.

„Ist Uelzen noch sicher?“ lautete der Titel der Veranstaltung, an der auch SPD-Landratskandidat Jürgen Krumböhmer teilnahm. Das Thema hatte nach der Festnahme zweier mutmaßlicher Mitglieder einer Schlägerbande am vergangenen Sonntag (AZ berichtete) ungewollt einen aktuellen Bezug bekommen. Munstermann beantwortete die Eingangsfrage „mit einem klaren, deutlichen Ja“. Die Aufklärungsquote der Uelzener Polizei liege bei weit über 90 Prozent. Doch damit seien die Ursachen von Straftaten nicht behoben, „das kann Polizei nicht leisten“, betonte der Leiter des Uelzener Streifendienstes.

Vielmehr sei die ganze Gesellschaft gefragt. Schon in Krippen, Kitas und Ganztagsschulen müsse präventiv auf Kinder und Jugendliche eingewirkt werden, damit diese „ihr Aggressionspotenzial erst gar nicht ausleben können“. Nach Ansicht von Munstermann müssten Bund und Land deutlich mehr Geld in Kinder- und Jugendarbeit investieren. „Dort holen wir die jungen Menschen ab, das ist Prävention vom Feinsten“, meinte er.

Auch auf die nächtlichen Exzesse vor Uelzener Kneipen ging der Fraktionsvorsitzende ein. Es sei jedoch nur eine kleine Minderheit von Jugendlichen, die dort durch übermäßigen Alkoholkonsum, Geschrei und Schlägereien auffielen. „Man sollte ihnen im Rahmen eines Projekts des Präventionsrates mal die Peinlichkeit ihres Handelns zeigen“, schlug Munstermann vor.

Ein deutlich schärferes Vorgehen sei aber gegen Gewalttäter erforderlich, die andere Menschen angreifen und verletzen. „Hier greift das Strafrecht, da helfen keine Präventionsmittel mehr“, sagte er. Es gebe in Uelzen „bestimmte Gruppen, die keine Beteiligung an der Gesellschaft haben. Sie schließen sich zusammen und bilden ihre eigene Kaste und eigene Rangfolge aus.“ Das arte oft in Aggressivität und Gewalt aus.

Auffällige soziale Brennpunkte existierten in Uelzen dennoch nicht, betonte Munstermann. Er hat aber „Event-Plätze“ ausgemacht, zum Beispiel rund um Kneipen, überdies am Zentralen Omnibus-Bahnhof, an dem es immer wieder zu Pöbeleien durch alkoholtrinkende Gruppen und in der Folge zu Polizei-Einsätzen kommt. „Dort gibt es sehr wohl einen kleinen Schwerpunkt, den wir nicht in den Griff kriegen“, gab Munstermann zu.

Zudem schlug er vor, Mitarbeiter bei der Stadt einzustellen, die auf Sauberkeit, Sicherheit und Ordnung in Uelzen achten – etwa Hundebesitzer auf Hinterlassenschaften ihrer Tiere ansprechen oder Hauseigentümer bitten, ihren Müll von der Straße zu räumen. „Darüber sollte man mal nachdenken“, sagte er.

Jürgen Krumböhmer warnte davor, aus bestimmten Straftaten falsche Schlüsse zu ziehen. „Wir haben im Landkreis Uelzen eine Ausländerquote von unter drei Prozent. Es gibt hier kein relevantes Problem mit Ausländern, es wird nur immer herbeigeredet“, sagte der Landratskandidat. Uelzen sei insgesamt recht sicher. „Wir sind ein gutes Wohnquartier, hier kann man prima leben.“

Von Bernd Schossadowski

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