30 Euro für die Kaffeekasse

Andreas Panzyck ist Betriebsratschef und Lokführer bei Metronom – zum Ausstand gebe es keine Alternative, betont er. Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen. Der erste von zwei Streiktagen von Lokführern privater Eisenbahnunternehmen hat den Verkehr auf der Metronom-Hauptachse Hannover-Uelzen-Hamburg gestern weitgehend lahmgelegt. Und wenn doch noch einmal ein blau-gelber Zug eintraf, hatte er mindestens 15 Minuten Verspätung, weil jeder Bahnhof zwischen Lüneburg und Hamburg bedient wurde.

Insgesamt sei die Streikbeteiligung niedriger als bei den vorangegangenen Streiks, erklärte gestern Metronom-Sprecherin Hannah Kohn. Im Internet informiert die Uelzener Eisenbahngesellschaft auf www.der-metronom.de kontinuierlich und aktuell über die Auswirkungen des Streiks. „Die Fahrgastbetreuer stehen Fahrgästen in den Zügen und, wo möglich, an den Bahnsteigen während der Streikzeit als Ansprechpartner zur Verfügung“, so Kohn. Einen Schienenersatzverkehr könne das Unternehmen nicht anbieten, weil dann pro Zug rund 20 Busse benötigt würden – solche Kapazitäten gebe es aber nicht.

„Leider weigert sich die Gewerkschaft GDL auch weiterhin Verhandlungstermine zu nennen oder überhaupt Forderungen an Metronom in Bezug auf die gesamte Belegschaft zu stellen“, sagt Geschäftsführer Wolfgang Birlin. Um das Hauptanliegen der Gewerkschaft, die Anpassung der Gehälter an das Niveau der Deutschen Bahn (DB), könne es bei den Streikaufrufen für Metronom unmöglich gehen. „Wir zahlen schon jetzt allen Lokführern mehr Lohn als die DB, in der Spitze sogar über 15 Prozent mehr Grundgehalt.“

Ein Berufseinsteiger verdiene bei Metronom nach einer bis zu neunmonatigen Ausbildungszeit mit allen Zuschlägen ein Jahresgehalt von ca. 32 700 Euro brutto. Angesichts dieser Zahlen kann die Geschäftsführung des Metronom die fortgesetzten Streikmaßnahmen der GDL nicht nachvollziehen. „Wir fordern die GDL auf, endlich mit einer verhandlungsfähigen Forderung an den Verhandlungstisch zu kommen“, so Birlin. Von genervten Fahrgästen will Metronom-Lokführer Andreas Panczyk nichts wissen, im Gegenteil: „Am Hamburger Hauptbahnhof hat den Kollegen ein Reisender 30 Euro zugesteckt, für die Kaffeekasse. Und in Uelzen haben wir sieben Stunden gestanden, da hat uns keiner angepöbelt.“

Panzyck ist Betriebsrat bei der Uelzener Metronom-Gesellschaft, er lässt keinen Zweifel, dass die Lokführergewerkschaft GDL weiter kampfwillig ist: Man könne statt für 47 auch für 72 Stunden die Arbeit niederlegen. Der Ball liege bei den Chefs. Würden die ein ,,verhandelbares Angebot“ vorlegen, könne man den Streik sofort einstellen: ,,Aber da ist bisher nichts gekommen.“

Sauer ist Panczyk auf Metronom-Manager Wolfgang Birlin. Wegen dessen Behauptung, das Unternehmen zahle den Beschäftigten bis zu 15 Prozent mehr Gehalt als die Bahn AG. Der Betriebsrat kontert: Das sei eine Rechenfrage, berücksichtige man Zuschläge und Zulagen, läge das Niveau der Unternehmen auf ähnlichem Niveau. Vor allem gehe es in erster Linie gar nicht ums Geld. Für Metronom und den Mutterkonzern Arriva möchten die Gewerkschafter mehrere Dinge erreichen: Wenn sich die Firma an der Ausschreibung für neue Strecken beteilige, müsse der Tarifvertrag Grundlage sein. Es könne nicht sein, dass quasi Untergesellschaften günstigere Angebote gegenüber der Landesnahverkehrsgesellschaft abgeben und dann für die Beschäftigten den Lohn drücken.

Auch müsse es möglich sein, dass Lokführer, die nach tödlichen Unfällen aus psychischen Gründen keinen Zug mehr steuern können, in anderen Bereichen des Unternehmens eingesetzt werden und nicht ihren Job verlieren: ,,Das muss Teil des Tarifvertrages werden.“

Panczyk und seine Kollegen werden wohl auch heute ihre Macht zeigen und die Züge stehen lassen. Pendler sollten Fahrgemeinschaften bilden, um zur Arbeit zu kommen, empfiehlt der Gewerkschafter und weiß, dass er seinen Kunden weh tut. Doch das sei bei einer Arbeitsniederlegung nicht zu vermeiden: ,,Wie soll das bei einem Streik anders gehen?“

Registrierte Metronom-Kunden werden über Streikfolgen per Twitter informiert, das Kundenzentrum ist zu erreichen: (05 81) 97 16 41 64.

Von Thomas Mitzlaff und Carlo Eggeling

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