Markt ist leergefegt – Bertelsmann-Studie fordert mehr Kräfte für Kitas

Erzieherinnen: Suche ist für DRK und Kirche schon jetzt schwierig

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Noch können die evangelische Kirche und das Deutsche Rote Kreuz die frei werdenden Stellen in ihren Kindergärten (hier die DRK-Kita am Ilmenauufer) besetzen. Aber die Stellensituation werde zunehmend schwieriger, so Vertreter der beiden Kita-Träger.

Uelzen/Landkreis. In einer aktuellen Studie konstatiert die Bertelsmann-Stiftung, dass die Kindertagesstätten und Krippen in Niedersachsen eigentlich 3500 zusätzliche Stellen benötigten, um die Kleinen pädagogisch sinnvoll betreuen zu können.

Nur: Fachkräfte sind Mangelware. Mit dem Umstand kämpfen die beiden großen Träger im Landkreis, Deutsches Rotes Kreuz (DRK) und die evangelische Kirche, schon seit längerem. Den gesetzlich vorgeschriebenen Personalschlüssel für Kitas und Krippen permanent aufrecht zu erhalten, sei „ein echter Kraftakt“, sagt Dorothee Drewes, betriebswirtschaftliche Leiterin des evangelisch-lutherischen Kindertagesstättenverbandes Uelzen. „Wir haben noch alle Stellen besetzt, aber es wird immer schwieriger“, so Peter Vogt, Geschäftsbereichsleiter Kinder, Jugend, Familie und Soziales beim Uelzener DRK-Kreisverband.

Grundsätzlich gilt: Je Kindergarten-Gruppe (25 Kinder) müssen zwei Erzieherinnen permanent anwesend sein, zwei Fachkräfte und eine Sozial-Assistentin (3. Kraft) sind für je eine Krippen-Gruppe (15 Kleinkinder) verantwortlich. Auch müssen die Träger jeweils einen Vertretungspool vorhalten. Beim DRK (23 Einrichtungen) sind das 10,5 Vollzeit-Stellen, bei der evangelischen Kirche (acht Einrichtungen) entsprechend weniger. Mit der Einführung der 3. Kraft 2015 und dem Aufbau der Vertretungspools sei der Markt bei den Erzieherinnen nahezu leergefegt, weiß Vogt. In den vergangenen beiden Jahren seien zahlreiche junge Kolleginnen eingestellt worden, berichtet Vogt. Folge: „Von Zuständen wie in Ballungsräumen, wo über Schließungen von Gruppen wegen Personalmangel nachge- dacht wird, sind wir zum Glück noch meilenweit entfernt.“

„Zum neuen Kindergarten-Jahr ab August müssen wir Stellen neu besetzen. Es ist uns bisher immer gelungen“, so Dorothee Drewes. Fluktuationen in den DRK-Einrichtungen seien gering, weiß Vogt. Schwierig werde es immer dann, wenn eine Mitarbeiterin schwanger werde. In Kitas und Krippen greife bei Kenntnis sofort ein Beschäftigungsverbot. „Dann müssen wir die Kollegin von heute auf morgen ersetzen.“ Bis auf zwei oder drei Tage seien Ausfälle in den evangelischen Kitas immer sofort ersetzt worden, sagt Drewes.

Trotz der bereits jetzt schon angespannten Lage auf dem Stellenmarkt für Erzieherinnen gibt Vogt der Bertelsmann-Stiftung recht: „Der Schlüssel von zwei Fachkräften für 25 Kinder ist viel zu gering, um pädagogisch sinnvoll arbeiten zu können.“ Die Einrichtungen hätten in den vergangenen Jahren immer mehr Bildungsaufgaben schultern müssen. Er ist für eine Reduzierung der Gruppen auf 18 Kinder.

Von Jens Schopp

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