Gefährlicher Darmkeim über ungewaschenes Obst und Gemüse verbreitet?

Erster EHEC-Fall in Uelzen

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tm/dpa Uelzen/Berlin. Der lebensgefährliche Darmkeim EHEC breitet sich weiter aus. Mittlerweile haben sich in Deutschland mehr als 130 Menschen angesteckt. Bei mindestens 40 von ihnen verläuft die Krankheit besonders schwer. Viele leiden unter Nierenschäden.

Der Zustand von mindestens zwei Patienten ist so kritisch, dass sie künstlich beatmet werden müssen. Zahlreiche Menschen liegen auf der Intensivstation, einige von ihnen erhalten Dialyse-Behandlungen. „Die Lage ist weiter ernst“, hieß es am Montag aus dem Gesundheitsministerium in Hamburg. In Uelzen meldete gestern das Gesundheitsamt einen bestätigten Fall, im Nachbarkreis Lüchow-Dannenberg zwei Fälle. „Die Zahl der schweren Verläufe in einem kurzen Zeitraum ist sehr ungewöhnlich, auch die betroffenen Altersgruppen sind untypisch. Aktuell sind vor allem Erwachsene, überwiegend Frauen, betroffen“, teilte das Robert Koch-Institut (RKI) „Die Ursachenforschung steht im Mittelpunkt“, sagte eine Sprecherin des Sozialministeriums in Wiesbaden.

Dazu würden unter anderem die Kranken befragt, um festzustellen, ob der Erreger möglicherweise aus der gleichen Quelle stamme. Das Berliner Robert Koch-Institut (RKI) sieht Hinweise dafür, dass sich die Keime über rohes, ungewaschenes Gemüse ausgebreitet haben. Das Durchfall-Bakterium (Enterohämorrhagische Escherichia coli) ruft zurzeit außergewöhnlich schwere Krankheitsfälle hervor und kann Nierenversagen verursachen. Die Sterblichkeit liegt bei fünf Prozent. „Das Wichtigste zur Vermeidung einer Infektion ist die Einhaltung strikter Hygienemaßnahmen“, hieß es gestern aus dem Gesundheitsamt Uelzen. Dazu gehören Hände waschen vor und nach der Zubereitung von Speisen, kein Verzehr von rohem oder halbgaren Fleischprodukten, kein Verzehr von ungewaschenem Gemüse. Auch nach jedem Tierkontakt sollten die Hände gewaschen werden.

Verdachtsfälle waren am Wochenende auch aus Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg gemeldet worden. „Alle Menschen, die blutigen Durchfall haben, sollten schnellstmöglich zu einem Arzt gehen“, sagte Holger Scharlach vom Landesgesundheitsamt in Hannover. EHEC-Keime treten in Deutschland immer wieder auf. Das RKI hat seit Einführung der Meldepflicht 2001 bundesweit jährlich zwischen 800 und 1200 EHEC-Erkrankungen registriert, die aber oft einen leichteren Verlauf nahmen. Besonders verwundert die Experten auch, dass diesmal vor allem Erwachsene schwer erkranken, normalerweise haben eher Kinder starke Symptome. Am Samstag hatten sich Vertreter des RKI mit Experten aus den betroffenen norddeutschen Ländern zu einem Krisentreffen in Hamburg zusammengesetzt.

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