Der erste Zug im Jahr 1847

Gästeführerin Margret Drögemüller (rechts) führte durch Bahnhof und Ausstellung.

Uelzen - Von Janina Fuge. Kurzerhand hat Gerald Warnecke „die Wochenendpläne geändert“, als er hörte, dass sich Uelzens Hundertwasserbahnhof am „Tag des Offenen Denkmals“ beteiligt.

Und obwohl Warnecke eigentlich auf der Durchreise von seinem Wohnort Berlin zum Arbeitsort Bremen war, ließ er sich einen Stopp seiner alten Heimat nicht nehmen. Seit 1977 sei er hier zur Schillerschule gegangen, sein Schulbus fuhr am Bahnhof, erzählt er, und während der Wartezeit habe er „den Bahnhof kartografiert“ – kleine Zeichnungen der Gleisanlagen und Bahnhofsgebäude angelegt, Entfernungen geschätzt. In und mit Uelzen begann seine Bahnhofsliebe, die bis heute hält – und durch die lebhafte Führung mit Margret Drögemüller am Sonntag wieder neue Nahrung erhielt.

Anlässlich des „Tag des offenen Denkmals“, der seit 1993 in Deutschland in etwa 2400 Kommunen mit rund 7500 Denkmälern stattfindet, zeigte Hundertwasser-Führerin Drögemüller mitsamt Kollegen ihren Gästen am Sonntag die Raffinessen der Hundertwasserschen Bahnhofsarchitektur – einschließlich Infos zu Goldkugeln, die in Wirklichkeit blattgoldverziertes Plastik sind und Infos zu künstlerisch arbeitenden Handwerkern. Dazu gab‘s einen Lichtbildervortrag mit Heinrich Priesterjahn, außerdem für Schüler Verlosungen eines Niedersachsen-Tickets.

Gut besucht waren daneben Führungen durch die neue Ausstellung zur „Planungs- und Nutzungshistorie“ des Hundertwasserbahnhofs. 1847 sei die erste Eisenbahn durch Uelzen gefahren, war da von Margret Drögemüller, einer Führerin der ersten Hundertwasser-Stunde, zu erfahren, seitdem sei es rasant vorangegangen: Zeitweilig gab es sogar zwei Bahnhofsgebäude, den „Nordbahnhof“, betreut von der Königlich-Hannöverschen Eisenbahn, dazu den Magdeburger-Halberstädter-Bahnhof, der ein Teilstück der alten Amerika-Linie (Berlin-Bremen) betreute.

Jede Menge Detailwissen zauberte Drögemüller hervor, informierte über die Zusammenlegung beider Bahnhöfe zu einem Inselbahnhof im Tudor-Stil und, schließlich und Raffinessen beim Umbau zum Hundertwasser-Bahnhof im Rahmen der Expo 2000. „Sehr spannend – und ich wollte manches eben wirklich auch genauer wissen“, befand Hartwig Heitmann, ein „Ur-Uelzener“, wie er sagt, der über die vergangenen zehn Jahre Uelzens Sehenswürdigkeit als Berufspendler extrem schätzen gelernt hat. „Ich freue mich, wenn ich morgens auf diesen Bahnhof komme“, sagt er. Der Hundertwasserbahnhof ist schließlich ein ziemlich lebendiges Denkmal.

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