Angemerkt

Der erste Brandanschlag...

Jetzt ist es offenbar auch hier passiert, bei uns im Landkreis Uelzen. Szenen, die wir bislang nur aus den TV-Nachrichten kannten, haben sich bei uns abgespielt, in der ländlichen Region.

Im ehemaligen Intermarché-Supermarkt in Bad Bevensen wurde ein Feuer gelegt, wahrscheinlich weil das leer stehende Gebäude künftig Flüchtlingen als Unterkunft dienen sollte – davon geht die Polizei aktuell aus. Die hässliche Seite der Flüchtlingsthematik ist bei uns angekommen.

Thomas Mitzlaff

Bislang waren die Schlagzeilen in der AZ immer geprägt von Berichten über eine enorme Hilfsbereitschaft und ehrenamtliches Engagement der Bürger in Stadt und Landkreis. Ihnen ist es zu verdanken, dass das Hilfssystem hier nicht längst zusammengebrochen ist. Und doch gibt es auch jene, die womöglich aus einer diffusen Mischung aus Angst und Hass zum Straftäter werden und dermaßen verbohrt sind, dass sie dafür eine Freiheitsstrafe von bis zu zehn Jahren in Kauf nehmen.

Doch eine solche Tat darf nicht übertünchen, was es alles gibt in Stadt und Kreis an freiwilliger Hilfe für Menschen, die in Not zu uns kommen.

Die Artikelsammlung zum Thema Flüchtlinge finden Sie hier.

Eines muss man aber auch feststellen: Dass die Arbeit vor Ort noch funktioniert, obwohl von „oben“, von Land und Bund, immer noch viele Steine in den Weg gelegt werden, obwohl der Riesenapparat, den ein Bundesinnenministerium zur Verfügung hat, nach so vielen Monaten den Schalter offenbar immer noch nicht umgelegt und verstanden hat, dass dies eine Ausnahmesituation ist, die nicht mit den üblichen Automatismen in den Griff zu kriegen ist. Monatelang, manchmal ein halbes Jahr und länger, warten die Menschen in den Turnhallen darauf, einen Asylantrag überhaupt stellen zu dürfen – von der Bearbeitung ganz zu schweigen.

Übersicht: 2000 Flüchtlinge sind im Kreis Uelzen untergebracht.

Was wir jetzt nicht brauchen, sind Politiker, die durch die üblichen Betroffenheitsfloskeln glänzen. Es ist zwar ehrenwert, wenn eine Uelzener SPD-Bundestagsabgeordnete nur wenige Stunden nach dem Brandanschlag von Bad Bevensen in einer Pressemitteilung ihre Bestürzung kundtut. Wünschenswert wäre es allerdings, dass sie sich mit ähnlichem Nachdruck bei ihrer Regierungspartei dafür einsetzt, dass die Menschen vor Ort endlich die Unterstützung aus Berlin bekommen, die sie verdienen.

Von Thomas Mitzlaff

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