Orchestercamp-Abschlusskonzert im Theater an der Ilmenau

Erfrischend und aufgeweckt

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85 Musiker im Alter von zwölf bis 25 Jahren haben die Ergebnisse der Proben des 8. Internationalen Orchestercamps Lüchow bei einem Konzert im Uelzener Theater an der Ilmenau präsentiert.

Uelzen/Lüchow. Natürlich wäre es Spekulation, etwas über die Qualität dieses Orchester sagen zu wollen, bestünde es weiterhin.

Bedenkt man jedoch, dass die rund 85 Musiker aus 18 Nationen, von denen der jüngste zwölf, die ältesten 25 sind, vor knapp zwei Wochen noch gar kein gemeinsames Ensemble bildeten, dann ist das Ergebnis zehntägiger Studien nur hochachtungsvoll zu Kenntnis zu nehmen. Am Freitag gastierten die jungen Leute nach der Absolvierung des achten Internationalen Orchestercamps Lüchow mit den Ergebnissen ihrer Probenarbeit in Uelzen.

Das bekannteste Beispiel musikalischer Zusammenarbeit dieser Art ist jenes, das Daniel Barenboim mit dem „West-Eastern-Divan-Orchestra“ begründet hat: ein Klangkörper, der Instrumentalisten aus Palästina und Israel eint und Friedenshoffnung seit Jahren zu erneuern versucht. Auch der Haupttenor der jungen Musiker des Orchestercamps ist der der Zusammenarbeit, des Voneinander-Lernens und der Freundschaft. Die Stimmung sei wunderbar gewesen, sagt Organisator Gerd Baumgarten.

Ein „richtig heftiges Sinfonieorchester-Repertoire“, so Baumgarten in seiner Begrüßung, hatten die Organisatoren dem Camp verschrieben. Es ist wirklich ein Wunder, wie erfrischend und unverbraucht damit umgegangen wurde. Zum Auftakt erklangen die „Polowetzer Tänze“ aus der Oper „Fürst Igor“ von Alexander Borodin. Ganz große Kulisse für den Zuhörer, ohne eine hörbare Unsicherheit in diesem Teufelstanz des romantischen Klang-rauschs. Auch als Begleiter im folgenden Hornkonzert Nr. 1 Es-Dur von Richard Strauss zeigten sich die Gäste fröhlich bei der Sache, aufgeweckt und aufmerksam im Wechselspiel und Miteinander. Die Solistin war hier Swantje Vesper, die das Instrument bis auf zwei, drei Unsicherheiten solide zu handhaben wusste. Eine zauberhafte Kantilene im Andante, sichere Ansätze auch im Piano, nirgendwo Schwere in den vitalen Läufen.

Hauptpunkt des Abends jedoch die „Symphonie fantastique op. 14“ von Hector Berlioz. Vielleicht hätte es ein einfacheres, mit Blick aufs Publikum auch populäreres Werk als ausgerechnet diese 50-minütige Mammut-Programmmusik par excellence, diese musikalischen Extreme zwischen graziös beschwingtem Walzer und aggressiv auftrumpfender Opiumrausch-Vision einer Exekution sein können. Aber wenn dabei hin und wieder die Spannung abhanden kam, so ging das auf das Konto des Dirigenten (Matthew Spieker).

Die jungen Musiker boten – noch unbeschwert von zu viel Lehrmeinung – überdurchschnittlich mehr als bloßes Notenspiel. Sie widmeten sich der anspruchsvollen Schlichtheit mit Sinn für die leisen, aber inständigen Töne, gaben sich leidenschaftlich dem hin, was Ausdruck verlangte. Den Verlauf bestimmten spritzige Tempi und luftig-beeindruckende Akzente. Ein großes Bravo für so viel Musizierkunst!

Von Barbara Kaiser

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