„Erfolg geht an Bauern vorüber“

Nordzucker will wachsen – die Aktionäre fordern eine höhere Gewinnbeteiligung

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2,5 Millionen Tonnen Rüben wurden in der Kampagne 2011/2012 im Uelzener Nordzucker-Werk verarbeitet. Das war ein Viertel mehr als im Vorjahr. Der Konzern appelliert an die Landwirte, die Größe ihrer Anbauflächen zu erhalten.

Uelzen. Viele Zuckerrübenanbauer aus der Region Uelzen fordern nach der Steigerung des Ertrags in der jüngsten Kampagne einen höheren Basispreis für Rüben von der Nordzucker AG.

Bei der gestrigen Winterversammlung des Rübenanbauer- und Aktionärsverbands Nord und der Nordzucker AG in der Stadthalle machten Landwirte ihrem Ärger Luft.

„Der Erfolg geht an den Bauern vorüber“, fürchtet Lutz Meyer von der Regionalvertretung. Zuvor hätten sich die Rübenanbauer zurückgenommen, „jetzt muss ein deutliches Zeichen von Nordzucker kommen“. Das Ergebnis der zufriedenstellenden Kampagne müsse „nachhaltig, nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für unseren Rübenanbau“ sein.

Der Basispreis für die Quotenrüben, deren Produktion in Deutschland nach den Vorgaben der EU-Zuckermarktordnung zwischen Dachverbänden und Zuckerherstellern reguliert wird, liegt derzeit bei rund 30 Euro pro Tonne. Inklusive der Nebenleistungen werden knapp über 40 Euro je Tonne gezahlt. „Für uns als Verband ist es keine Lösung, jetzt Geld für spätere Jahre anzusparen“, betonte Eckhard Hinrichs vom Rübenanbauer- und Aktionärsverband Nord. Seiner Ansicht nach könne jeder mit einer Vergütung von 33 Euro je Tonne kalkulieren. Auch Stefan Büsching, Geschäftsführer des Verbandes, erklärte auf AZ-Nachfrage, dass sich den Sätzen der Südzucker AG angenähert werden sollte. „Mindestens das Doppelte“ von der jüngsten Erhöhung um 3,10 Euro wolle der Verband erreichen. Bei dem Konzern in Mannheim liegen die Beteiligungen bei 37 Euro je Tonne, zuzüglich der Nebenleistungen ergeben sich bei guten Qualitäten bis zu 50 Euro je Tonne.

Nach einer „überaus positiven Bilanz“ für die abgeschlossene Kampagne müssten auch die Belange des Unternehmens Berücksichtigung finden, erläuterte Axel Aumüller aus dem Vorstand der Nordzucker AG. Hans-Christian Koehler, Vorsitzender des Aufsichtsrates von Nordzucker, bedauerte, dass sich trotz der hohen Werte „keine nachhaltig positive Stimmung breitzumachen scheint“, stattdessen Misstrauen deutlich werde. „Nordzucker muss und wird ein dem Ergebnis angemessenes Rübengeld zahlen“, so Koehler, „wir müssen aber auch unsere Position Zwei in Europa halten können.“ Es müsse der Dreiklang „Rübengeld, Dividende und Unternehmen“ berücksichtigt werden.

Volker Bückmann von Nordzucker appellierte an die Aktionäre, den guten Erfolg in den kommenden Jahren gegebenenfalls für eine kleine „Delle“ auf dem Markt zu nutzen. Dem hielt ein Landwirt die Befürchtung entgegen, dass in der Vergangenheit bereits der Kassenaufbau für Investitionen genutzt wurde, die sich später als Fehlentscheidung herausstellten. „In der Vergangenheit ist damit auch Blödsinn gemacht worden und davor haben wir Angst“, sagte der Aktionär und erntete breite Zustimmung im Saal.

Von Diane Baatani

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