Die Entwicklung hält nicht mit

Florian Büker, Christian Geitner, Christina Töpfer und Anna Kiss (von links) haben die mündlichen Prüfungen am Herzog-Ernst-Gymnasium geschafft. Rechtzeitig mitarbeiten und gutes Zeitmanagement sind ihre Tipps für die nachfolgenden Jahrgänge. Foto: Ph. Schulze

Uelzen. Spätestens ab der zehnten Klasse fängt der Lerndruck an. Den Schülern wird dringend empfohlen, fleißig zu sein – doch so ganz bewusst ist ihnen noch nicht, dass bis zum Abschluss ein Jahr fehlen wird. Künftig müsse man dafür sorgen, dass „sich die Ernsthaftigkeit einstellt“, sagt Studiendirektor Burkhard Steneberg vom Uelzener Herzog-Ernst-Gymnasium (HEG). Ein vernünftiges Zeitmanagement zu entwickeln, werde für die sogenannten G8er – die Schüler, die nach acht Gymnasialjahren ihr Abitur machen – umso wichtiger.

Es ist nicht nur am Lernpensum zu sehen, dass das elfte Schuljahr am Gymnasium fehlt, sondern auch an der starken persönlichen Entwicklung im zwölften Schuljahr, erklärt Steneberg. „Früher konnte man merken, dass es einen deutlichen Wachstumsschub gab.“ Die Schüler seien dann methodischer an die Arbeit herangegangen. Genau diesen Unterschied hat auch Anna Kiss aus dem zwölften HEG-Jahrgang in den Kursen mit den erfahreneren Mitschülern wahrgenommen. „In den Naturwissenschaften war es schwierig, der G9-Jahrgang hatte bereits mehr Methodik gelernt“, berichtet die 18-Jährige. Deshalb gibt sie den nachfolgenden Jahrgängen den Rat, rechtzeitig damit zu beginnen, die Hausaufgaben zu machen. „Das hat schon etwas gebracht und erspart viel Lernzeit.“ Ihrem Mitschüler Florian Büker, ebenfalls aus der G8-Stufe, habe es am meisten geholfen, im Unterricht aktiv dabei zu sein. „Wenn man eine gute mündliche Note hat, hat man es beim Lernen für die Klausuren einfacher“, überlegt der 17-Jährige. „Das Ding ist, dass es nicht so leicht geht, den Unterschied auszugleichen“, sagt Christian Geitner. „Die Lebenserfahrung bleibt zurück, da hilft auch zusätzliches Material nicht.“ Der Unterricht sei „so gestopft in kürzester Zeit“. Aber die Zusammenlegung der beiden Jahrgänge in den Kursen sei sinnvoll gewesen. „So konnte man sehen, wo die Unterschiede sind“, berichtet Kiss.

Obwohl das HEG nach Angaben von Steneberg viele Aktionen zur Berufsorientierung organisiert hat – mittlerweile schon für die zehnten Klassen –, wird auch in diesem Bereich deutlich, dass den Jugendlichen Zeit fehlt. „Ich weiß noch nicht, was ich studieren will, weil wir nie die Zeit hatten uns damit auseinanderzusetzen“, erklärt Kiss. Sie zieht ein Work-and-Travel-Jahr in Kanada vor. Ebenso wird Büker noch nicht direkt das Lernen fortsetzen. Er möchte zunächst ein Freiwilliges Soziales Jahr beim TV Uelzen absolvieren. Auch andere G8-Mitschüler würden eine Auszeit vorziehen, sind sich die beiden einig. Eine HEG-Abiturientin sei zum Beispiel dazu gezwungen, da sie mit unter 18 Jahren für ein Duales Studium nicht zugelassen werde.

Von Diane Baatani

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