OpenR mit spektakulärer Show eröffnet

Sir Elton John: Ein Paradiesvogel rockt Uelzen

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Seine show begann zaghaft und endete rasant.

Uelzen. Man muss nicht unbedingt ein Fan gewesen sein von Elton John, um gestern Abend restlos begeistert zu werden. Denn der Mann kann Klavier spielen wie kaum ein anderer. Und er kann singen.

Wie sehr, das bewies der 69-jährige Superstar beim ersten Tag des Uelzen OpenR mit seiner „Wonderful crazy night“-Show, die zunächst gemäßigt begann und rasant endete. Als Opener des Abends stimmte Foy Vance die rund 9500 Besucher auf dem Festivalgelände ein. Irisch angehauchte Klänge zauberte der Mann mit dem roten, hoch gezwirbelten Schnurrbart ins Publikum, das er spätestens bei Princes „Purple Rain“-Cover für sich erobert hatte. Vance tritt ab, und die Massen erheben sich. Sie erheben sich für Elton John, Sir Elton Hercules John. Der kompakte Mann mit der getönten Brille und dem blauem „Rocketman“-Glitzer-Gehrock brennt in den nächsten zwei Stunden mit seiner Band – Publikumsliebling dürfte Drummer Nigel Olsson gewesen sein, der seit 1969 Original-Mitglied der legendären Elton-John-Band ist – ein Feuerwerk aus neuen und alt bekannten Songs ab. Wie ein kleiner, funkelnder Paradiesvogel sitzt Elton John auf der gigantischen schwarzen Open-R-Bühne an seinem gigantischen schwarzen Yamaha-Flügel und wärmt die Massen zunächst mit „The bitch is back“ auf. Eine schwärmerische Bemerkung zum grandiosen Sommerwetter, dann leitet er mit „Goodbye Yellow Brick Road“ zum Gänsehaut-Garanten „Daniel“ über. Bis hierher zeigt sich das Publikum, sagen wir, gut unterhalten. Richtig die Post ab geht zum ersten Mal an diesem Abend aber bei der Single „Looking up“ aus dem neuen Album. Die Uelzener und von weit her angereiste Open-R-Besucher gehen mit, singen, klatschen, tanzen. Besonders eindringlich legt sich Elton Johns unvergleichliche Stimme dann bei „A good heart“ über Uelzen. Und Uelzen dankt dem Star mit rauschendem Applaus. Den Dank gibt Elton John mit immer wieder kehrenden Gesten zurück: Zahnlücken-Grinsen, mit den Zeigefingern ins Publikum deuten und auch mal keck die Zunge rausstrecken. Elton und sein Publikum stehen unter Adrenalin. Beinahe ekstatisch sind seine Pianoeinlagen. Mit einer solchen leitet er den legendären „Rocket man“ ein, erntet dafür stehende Ovationen. Bei „That’s why they call it the blues“ kommt richtig Bewegung ins Publikum, und spätestens bei „Sad song“, „I’m still standing“ und „All the young girls love Alice“ gibt es kein Halten mehr auf dem Open-R-Gelände. Dazwischen: die obligatorische Lady-Diana-Gedächtnis-Hymne „Candle in the wind“. Als Rausschmeißer feuert der Meister dann noch mal „Saturday night“ in den längst schon nachtschwarzen Freitagabend. Das Publikum ist in Fahrt. Zwei Zugaben gibt es am Ende: „Circle of life“ und „Crocodile rock“ – letzteres mit fröhlichem „Laaa-lala-lala-laaa“-Einsatz der Festivalbesucher. Uelzen ist glücklich. Elton John auch. „Thank you, Uelzen! Thank you, Germany!“

Von Ines Bräutigam

Uelzen feiert Elton John

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