Das Wort zum Sonntag

Die Elster und der Heilige Gral

Die Sage vom König Artus und den Rittern seiner Tafelrunde ist sehr schnell gesamteuropäisches Kulturgut geworden. Die erste Niederschrift der Geschichte um Parzival finden wir bei einem Franzosen und Wolfram von Eschenbach schrieb die Sage in Reimform. Am 8.

Februar 1220 ist Wolfram von Eschenbach gestorben. In einer Zeit, in der die europäische Idee lediglich im Krieg gegen außereuropäische Mächte umgesetzt wurde. Ansonsten sah die politische Landkarte Europas damals noch sehr anders als heute aus. Über den Dichter selber weiß man nichts, aber einiges lässt sich aus seinen Werken erschließen. Gelebt hat er von 1160 oder 1180 bis mindestens 1220. Eindrücklich sind schon die ersten Verse des Parzival: Geziert ist und zugleich entstellt, / Wo Unlautres sich gesellt / Zu des kühnen Mannes Preis / Wie bei der Elster Schwarz zu Weiß. / Doch oft gelangt er noch zum Heil, / Denn beide haben an ihm Theil, / Der Himmel und der Hölle Schlund. . . Dass Menschen gleichzeitig Gerechte und Sünder sind, hat sich schon immer gezeigt, nicht erst zu Luthers Zeiten. Wir müssen sehen, wie wir damit leben. Auch Parzival hätte dem Gralskönig Anfortas Leid ersparen und seine eigenen Irrungen und Wirrungen entscheidend abkürzen können, hätte er zur rechten Zeit die richtige Frage gestellt. Zwischen Schwarz und Weiß in der Welt gibt es, wie beim Federkleid der Elster, viele verschiedene Schattierungen an Grau. Meist werden wir in den verschiedensten grauen Schattierungen leben und handeln. Aber das macht nichts: Es ist möglich, Fehler wieder zu beheben und neu anzufangen. Das ist eine gute Botschaft, die Wolfram von Eschenbach da seinen Mitmenschen mit auf den Weg gegeben hat. Eine, die uns als Christen wohlbekannt ist: Wir bewegen uns im Hell- oder Dunkelgrau des Lebens. Ein reines Weiß ist selten, es ist und bleibt aber das erklärte Ziel. Auch 794 Jahre nach Wolfram von Eschenbachs Tod müssen wir behutsam schauen, was gut und richtig ist und das in unserem Leben umsetzen. Dazu ist es gut, sich an Jesus zu orientieren. Lars Neumann ist Pastor der St. Petri-Kirchengemeinde Bodenteich.

Rubriklistenbild: © Privat

Kommentare