Kreisschützenpräsident Wollbrandt rät Vereinsmitgliedern von den Grünen ab

„Eklat“ um Wahlaufruf

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Sport- und Jagdschützen wären von einer Waffensteuer betroffen. Die Grünen thematisieren die Steuer aber nicht.

Uelzen/Landkreis. Rund 4000 Mitglieder hat der Kreisschützenverband (KSV) im Landkreis Uelzen. An sie ist jetzt ein Wahlaufruf des Kreisschützenpräsidenten, Friedrich Wollbrandt, gegangen. Kritik kommt dazu vom Pressesprecher der Uelzener Schützengilde, Erwin Reitenbach.

Seiner Meinung nach sei die Wahlaufforderung „einseitig“. Sie sei direkt mit Kritik an den Grünen verbunden und lege nahe, speziell die Grünen nicht zu wählen. Denn die würden sich, so heißt es in Wollbrandts Aufruf, für eine Waffensteuer einsetzen. Tatsächlich ist eine Waffensteuer aber kein Thema im Wahlprogramm der Grünen.

Die Vorgeschichte beginnt bei einem Gespräch auf dem Cuxhavener Wochenmarkt. Der Präsident des Bezirksschützenverbandes Bremerhaven-Wesermünde, Jürgen Wintjen, hat dort mit einem Vertreter der Grünen gesprochen. Der habe dann im Gespräch gesagt, Waffenbesitzer sollten eine Kontrollgebühr zahlen. Das schilderte Wintjen in einer E-Mail, und er ergänzte die Schilderung übergangslos mit: „Für alle Schützen/innen in Niedersachsen gilt, macht am 20. Januar von Eurem Wahlrecht Gebrauch!!“

Diese E-Mail ging weiter an die Landesjägerschaft Niedersachsen, von dort zu Wollbrandt, und Wollbrandt schickte sie dann an Dutzende von Privat-E-Mails sowie an viele Kreisschützenverbände, darunter Wolfsburg, Göttingen, Hameln, Braunschweig und Schaumburg. Und er kommentierte in der E-Mail: „Die Grünen wollen die Waffensteuer. Am 20.01.2013 ist die Wahl in Niedersachsen. Wer die Waffensteuer nicht will, wählt nicht, was Geld kostet?“ Die E-Mail liegt der AZ vor.

Erwin Reitenbach wertet das als Empfehlung gegen die Grünen und ist „schockiert“, wie er sagt. „Ich halte es für einen Skandal, dass der Präsident des Kreisschützenverbandes eine Woche vor der Wahl eine einseitige Wahlaufforderung zuungunsten einer Partei macht und versucht, seine Mitglieder zu beeinflussen“, meint er. Der KSV „sollte politisch neutral sein“. Die Mitglieder des Verbandes dürften nicht derart politisch „gegängelt“ werden, wie es der Kreispräsident versuche. „In der Position kann man eine solche Aussage nicht treffen“, so Reitenbach.

Im Wahlprogramm der Grünen wird das Thema Waffengesetze im übrigen gar nicht explizit erwähnt. Zwar würden die Grünen sich generell für eine Kontrolle des Waffenbesitzes einsetzen, erläuterte Grünen-Landtagskandidat Heiner Scholing, in diesem Fall sei das Thema aber aufgebauscht: „Keine sachliche Diskussion“ sei das, so Scholing. Er selbst ist kein Schütze, fände aber eine Besteuerung des Sportgerätes von Sportschützen nicht nachvollziehbar.

Kreisschützenpräsident Wollbrandt selbst wollte sich gestern auf AZ-Nachfrage nur kurz äußern:. „Ich habe nicht reingeschrieben, die Grünen sollen nicht gewählt werden.“

Von Kai Hasse

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