Totschlags-Prozess gegen Douglas-Bande: Polizist belastet Angeklagten schwer

„Eiskalt durchgezogen“

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Ismail N. (links), hier mit seinem Anwalt Martin Schaar, beim Prozessauftakt vor dem Landgericht Lüneburg. Der 19-jährige soll eine Bierflasche aus einer angrenzenden Kneipe geholt haben, um damit das Opfer niederzuschlagen.

Uelzen/Lüneburg. Im Prozess wegen versuchten Totschlags gegen zwei mutmaßliche Mitglieder der so genannten Douglas-Bande vor dem Landgericht Lüneburg hat gestern ein Bundespolizist einen der beiden Angeklagten schwer belastet. Der 27-Jährige war privat unterwegs und zufällig Zeuge der Auseinandersetzung geworden.

Er habe gesehen, wie der 19-jährige Ismail N. im Rahmen eines Streits an der Gudestorbrücke in eine Kneipe gerannt sei und dort eine Bierflasche geholt habe. „Er hat sie vor der Gaststätte in aller Ruhe ausgekippt, sie sich nochmal angeschaut und ist dann zurück zu der Menschenmenge gerannt“, schilderte der 27-jährige Zeuge. Das Opfer habe den Angreifer nicht kommen sehen, der Angeklagte habe ihm die Flasche „seitlich von oben mit großer Wucht gegen den Kopf geschlagen“. Der 42-Jährige sei zusammengesackt, „er lag dann blutüberströmt auf dem Bauch und war nicht mehr bei Bewusstsein. Um ihn herum war eine große Blutlache, es war ein schrecklicher Anblick“.

Detailliert und ruhig schilderte der Zeuge den Angriff, der ihn schockiert habe: „Dass jemand das Geschehen komplett verlässt, eine Flasche holt, auskippt und wieder reingeht, so ein abgebrühtes Verhalten habe ich in meinen neun Jahren als Polizeibeamter noch nicht erlebt.“

Eine Affekthandlung schließt der 27-Jährige, der mittlerweile Jura studiert, aus: „Er hätte sich das anders überlegen können, etwa als er vor der Kneipe stand und die Flasche leerte. Aber er hat das eiskalt durchgezogen.“

Nach dem tätlichen Angriff habe Ismail N. die Flucht ergriffen und sei dabei direkt auf ihn zugelaufen, schildert der Zeuge. „Ich habe ihn verfolgt und schließlich zu Boden gerissen.“ Der Polizist hatte ihn zunächst im Griff („Ich weiß, wie man jemanden so überwältigt, dass er sich nicht mehr wehrt“), doch dann seien fünf weitere Freunde des 19-Jährigen gekommen und hätten ihn befreit. „Sie traten und schlugen mich, da konnte ich ihn nicht mehr halten“, erinnert sich der Zeuge.

Ismail N. und Robert K. sind wegen der Attacke in der Nacht des 2. Juli wegen versuchten Totschlags angeklagt. K. soll dem bewusstlos am Boden liegenden Mann noch von oben mit dem Fuß auf den Kopf getreten haben. Das Opfer hatte unter anderem ein Schädel-Hirn-Trauma sowie einen Bruch von Stirnhöhle und Nasenbein erlitten. Er hatte laut Anklage einem Pärchen helfen wollen, das von der Jugendbande attackiert worden war – seine Zivilcourage hätte er fast mit dem Leben bezahlt.

Die Jugendkammer des Landgerichts hat zunächst Verhandlungstage bis Ende Februar angesetzt. Einen davon wird sie in Uelzen abhalten: Am 30. Januar sollen im Amtsgericht zunächst die Haftrichterin und mehrere Polizisten angehört werden. Am Abend um 17 Uhr will sich das Gericht dann an der Gudestorbrücke einen Eindruck von den Örtlichkeiten machen.

Insgesamt sitzen mit N. und K. derzeit insgesamt fünf Mitglieder der so genannten Douglas-Bande in Untersuchungshaft. Drei weiteren wird Schutzgelderpressung eines Uelzener Kaufmanns vorgeworfen, einen Verhandlungstermin gibt es noch nicht. Die Polizei hat die Gruppe so genannt, weil sie sich in Uelzen immer vor der gleichnamigen Parfümerie traf und dann durch die Stadt zog, um Geschäftsleute zu terrorisieren.

Von Thomas Mitzlaff

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