Zu Gast im HEG: Die Journalistin Petra Gerster fordert mehr Engagement für den Nachwuchs

Einsatz über den Lehrplan hinaus

ZDF-Redakteurin und Autorin Petra Gerster sprach im HEG und in der Stadthalle über die Vermittlung von Werten. Foto: Wendlandt

Uelzen. Unter dem Druck der Wirtschaft ist in das Bildungssystem Hektik gekommen und darunter leidet die Moral: „Davon müssen wir dringend weg“, sagt Petra Gerster.

Die Moderatorin der ZDF-Sendung „heute“ erklärte am Dienstagabend, „worauf es bei Bildung wirklich ankommt“ – nämlich auf die Vermittlung von Werten, die Bildung von Charakter und Haltung. Vor ihrem Vortrag in der Uelzener Stadthalle sprach die Autorin im Herzog-Ernst-Gymnasium (HEG) mit Schulleiterin Ursula Schreiter-Antonius und Vertretern des Elternrings und Schulelternrats über die „Herzensbildung“ an der Schule, über den normalen Lehrplan hinaus.

Mit einer Ganztagskonzeption, mehr als 30 Arbeitsgemeinschaften und der Hausaufgabenbetreuung sei das HEG auf einem richtigen Weg, hielt Lehrer Jan Gerlach dem entgegen. Allerdings werde das Zusatzprogramm nicht in dem Maße angenommen wie erhofft, „aber das Angebot ist da“, so Gerlach. Auch die Teilnahme am Auslandsjahr in der zehnten Klasse sei gesunken. Vor der Umbildung von 13 auf 12 Schuljahre hätten, damals noch im elften Schuljahr, mehr Schüler das Angebot wahrgenommen. „Es hat sich wirklich etwas verändert“, bestätigte der stellvertretende Elternratsvorsitzende Martin Groffmann das breite Angebot am HEG. Allerdings würden Lehrer mit Dingen betraut, die nicht zu ihren Aufgaben gehören. „Die Politik verspricht uns Eltern immer, dass es mehr Geld geben soll, aber woher soll das Geld kommen.“

In einer Ganztagseinrichtung wie einem Internat sei die Vermittlung von Werten leichter einzubringen, pflichtete Gerster dem Pädagogen Bernhard Bueb bei, der vor einem Jahr einen Vortrag über Bildung in Uelzen hielt. Denn dort könnten Lehrer ihre Schüler „in einer anderen Atmosphäre anders kennenlernen“. Kinder, die unter einer Ich-Schwäche leiden und unangenehm auffallen, müsse man gezielt aufbauen, riet Gerster. Als Beispiel nannte sie das Erlebnis ihres Sohnes, der durch eine kostenlose Nachhilfe seines Physiklehrers die Versetzung geschafft habe. „Es gibt immer so einzelne, die sich über den Unterricht hinaus engagieren“, betonte die Journalistin. In Deutschland sei dieser Einsatz nicht üblich.

Nach Ansicht des Schulelternrats gibt es jedoch Bedarf am HEG: Innerhalb von 13 Schuljahren der Kinder der Elternratsvorsitzenden Anita Kotyk sei nur bei einem oder zwei Lehrern solch ein Engagement zu erkennen. „Die vielen jüngeren Lehrer engagieren sich gewaltig“, weiß sie. Ganz großen Bedarf sieht sie aber seit der Umstellung auf das Abitur nach zwölf Schuljahren. „Den Kindern ein bisschen den Druck zu nehmen, das hängt doch entschieden von dem Lehrer ab“, sagte Kotyk. „G8 ist für die Kinder eine deutliche Minderung der Lebensqualität.“ Da bleibe für Freizeitaktivitäten nicht mehr viel Platz. Die Leiterin des HEG sieht Grenzen in der individuellen Förderung von Schülern: „Wir haben einige Kinder, die können wir nicht retten“, erklärte Schreiter-Antonius. So mangele es bei einem Schüler an der Hygiene, trotz der Gespräche mit dessen Eltern. „Wenn der Schüler so, wie er hier herumläuft, zu einem Bewerbungsgespräch kommt, sehe ich keine Chance.“

Von Diane Baatani

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