Bundesweite Razzia: Beamte waren bei Schlag gegen Netzwerk dabei

100 Bundespolizisten vom Hainberg im Einsatz gegen Schleuser

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Bundespolizisten üben – wie hier in Ebstorf – regelmäßig für den Ernstfall. Gestern waren Einsatzkräfte aus Uelzen mit Kollegen anderer Standorte bei der bundesweiten Razzia gegen Schleuser im Einsatz.

Uelzen. Noch am Wochenende hatten sie gewaltbereite Fußballfans in Bremen gestoppt, gestern nun haben Bundespolizisten aus Uelzen zusammen mit Kollegen anderer Standorte Schleusern das Handwerk gelegt.

Im Auftrag der Staatsanwaltschaft Hildesheim gingen sie gegen ein Netzwerk von 17 Beschuldigten vor, die für bis zu 10 000 Euro pro Person Libanesen und Syrer mit gefälschten Reisedokumenten und Aufenthaltserlaubnissen ausgestattet sowie ihre Einreise nach Deutschland mit Flugzeugtikkets organisiert haben sollen.

In 24 Orten bundesweit wurden von insgesamt 571 Polizeibeamten Gebäude durchsucht – ein Schlag gegen Kriminelle, den es nicht alle Tage gibt. Aus Uelzen seien hundert Einsatzkräfte zu der groß angelegten Razzia ausgerückt, erklärt Bundespolizei-Sprecher Volker Menzel im AZ-Gespräch.

Einsatzmeldungen erreichen immer öfter den Bundespolizeistandort am Uelzener Hainberg. Seit Wochen sind Uelzener Kräfte an der deutsch-österreichischen Grenze im Einsatz, um die Ankunft von Flüchtlingen im Land zu koordinieren (AZ berichtete). Zwei Hundertschaften der insgesamt 455 am Hainberg stationierten Polizisten seien derzeit für diese Aufgabe in Bayern, so Menzel. Die in Uelzen verbliebenen Kräfte stehen für weitere Anforderungen bereit – und die lassen nicht lange auf sich warten. Am Wochenende wurden Uelzener Polizisten mit Hubschraubern nach Bremen geflogen, um Dortmunder Fußballfans im Bremer Hauptbahnhof zu kontrollieren. Bei der Fahrt nach Bremen sollen gewaltbereite Fans in Osnabrück Polizisten angegriffen haben. Die Uelzener Kräfte nahmen in Bremen von 131 mutmaßlichen Beteiligten die Personalien auf.

Keine 72 Stunden später rückten die Kräfte dann zu den Durchsuchungen im Zusammenhang mit den Schleusern aus.

Zu Zeiten, als es noch keine Flüchtlingsproblematik gegeben habe, seien Bundespolizisten von vier Wochenenden im Monat drei im Einsatz gewesen, schildert Menzel. Durch die zusätzliche Aufgabe an der Grenze habe sich die Situation zugespitzt. Über immer längere Zeiträume seien die Uelzener Bundespolizisten nun unterwegs. „Das ist eine Belastung für Familien. Väter können beispielsweise nicht an den Geburtstagen ihrer Kinder zuhause sein“, so der Bundespolizei-Sprecher.

Nach dem Großeinsatz gegen die Schleuser werden die hundert Bundespolizisten nach Auskunft von Menzel heute wieder nach Uelzen zurückkehren. So viel ist sicher: Der nächste Einsatz kommt mit Sicherheit bald.

Von Norman Reuter

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