Von Woche zu Woche

Eine Stadt sucht ihre Identität

Es waren zwei bemerkenswerte Schlagzeilen, die die Stadt Uelzen in dieser Woche produzierte: Die Stadt hat beantragt, auch offiziell den Titel „Hansestadt“ tragen zu dürfen. Und der Hundertwasserbahnhof gehört angeblich zu den zehn spektakulärsten Bahnhöfen weltweit.

Meldungen dieser Art bringen den Gedanken wieder auf eine ganz grundsätzliche Frage: Mit welchem Schlagwort kann die Stadt Uelzen auswärtige Besucher locken? Mit welchem „Alleinstellungsmerkmal“ kann sie punkten in einem harten Konkurrenzkampf zu anderen Kreisstädten in der Region?

Lüneburg bezeichnet sich als Hanse- und Universitätsstadt. Salzwedel punktet als Hanse- und Baumkuchenstadt. Celle ist die Herzogenstadt, Gifhorn die Mühlenstadt.

Und wie definiert sich Uelzen? Als Hundertwasserstadt? Als Hansestadt? Oder doch als Wasserstadt, wie angesichts der quer durch die Stadt laufenden Ilmenau immer wieder ins Gespräch gebracht wird?

Wer eine Antwort finden will, muss die Angelegenheit grundsätzlicher angehen. Denn es geht natürlich um weitaus mehr, als „nur“ einen Namen für die Stadt zu finden. Es geht vielmehr um die Frage, welchen Weg Uelzen in den nächsten 10 bis 15 Jahren beschreiten will. Oder anders gesagt: Wo sich Uelzen in 15 Jahren sieht.

Als Projekte der vergangenen Jahre fallen spontan die Umgestaltung des Schnellenmarktes, die Sanierung des alten Rathauses, der Bau des Marktcenters (mit Fragezeichen) und jetzt die Entstehung des Wasserlaufes in der Fußgängerzone ein. Bis auf das Marktcenter alles Maßnahmen, die durch EU-Förderung bezuschusst wurden und auch deshalb angegangen wurden.

Aber so zäumt man das Pferd von hinten auf. Denn ein Bündel von Maßnahmen zu beschließen, ist dann doch eher Stückwerk. Genau anders herum wäre der richtige Weg: Erst muss die Stadt Uelzen ein Konzept fürs nächste Jahrzehnt entwickeln, mit dem man sich positioniert, welchen Weg man gehen will, welches Ziel man eigentlich hat. Und an diesem Ziel müssen sich dann die Maßnahmen orientieren.

Schon das Konzept wird Geld kosten, das ist klar. Und das zu beschaffen ist schwierig vor dem Hintergrund, dass die Stadt sich einem strikten Sparzwang unterworfen hat. Doch man könne sich auch kaputt sparen, hatte Lüneburgs Oberbürgermeister Ulrich Mädge bei der Verabschiedung von Uelzens Stadtoberhaupt Otto Lukat mahnend gesagt.

Und so wird es eine der größten Herausforderung für den ebenfalls in dieser Woche gewählten neuen Ersten Stadtrat Florian Ebeling sein, durch geschicktes Agieren eben jene Mittel loszueisen, die Uelzen so dringend braucht, um im knallharten Konkurrenzkampf um Besucher auch im nächsten Jahrzehnt noch mithalten zu können.

Von Thomas Mitzlaff

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