Instrument von St. Petri wird für rund 42.000 Euro saniert

Eine Orgel holt Luft

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Levin Friedrich liegt gestern morgen auf dem Rücken. Mit einem dünnen Metallstab mit Haken „angelt“ er aus dem Orgelgehäuse die Ventile unterhalb der Pfeifen.

Uelzen. Die Diagnose ist schnell erzählt, die Behandlung wird aber Wochen in Anspruch nehmen: Die Kirchenorgel von St. Petri atmet schwer; ihr geht die Luft aus. Die Blasebalge, über die Luft in die Orgelpfeifen gedrückt wird, bestehen aus Leder.

Nach fast 50 Jahren ist es brüchig geworden. Risse sind zu sehen. Außerdem hat sich in all den Jahren Staub im Instrument festgesetzt. So liegt Levin Friedrich, Orgelbauer in Ausbildung, auf dem Rücken, angelt mit einem dünnen Metallstab die Ventile unterhalb der Pfeifen aus dem Orgelgehäuse. Vorsichtig, mit Bedacht. Es ist einer der ersten Arbeitschritte gestern zu Beginn der grundlegenden Sanierung der Orgel. Mehrere Jahre hat die Kirchengemeinde von St. Petri auf diesen Moment gewartet.

Aus eigenen Kräften hätte die Kirchengemeinde die Sanierung nicht stemmen können. Rund 42 000 Euro kostet sie. Die Landeskirche steuert 14 000 Euro bei, etwa 20 000 Euro stammen von Uelzenern. Sie füllten aufgestellte Spendendosen. Der Differenzbetrag kann noch aus Rücklagen der Gemeinde bestritten werden. „Die große Spendenbereitschaft hat uns gezeigt, dass es den Menschen wichtig ist, dass es weiterhin eine Orgel in St. Petri gibt“, sagt Pastor Armin Sauer. Zu Gottesdiensten, bei Trauungen und Taufen spielen Kirchenmusikerinnen das Instrument im Gotteshaus an der Uelzener Osterstraße. Sie bedienen die Klaviatur, ziehen Register, drücken Pedale – im Inneren des Instrumentes spielen sich dabei komplexe Prozesse ab. Allein 1600 Pfeifen – manche dünner als der kleine Finger. andere so mächtig im Umfang wie Oberschenkel – sind verbaut. Über Röhren und Schächte wird die Luft aus dem Windwerk zu den Pfeifen geleitet, über Spangen und Drähte öffnen und schließen sich Ventile.

Gut vier Wochen, so schätzt Nikolas Hillebrand von der Firma „Gebrüder Hillebrand“ aus Altwarmbüchen, werden er und seine Kollegen benötigen, bis die Orgel wieder Luft bekommt. Hillebrand ist Orgelbauer in der vierten Generation, seine Großeltern waren es, die das Instrument von St. Petri Mitte der 1960er-Jahre erbauten. Dabei weiß Nikolas Hillebrand: „Jede Orgel ist ein Einzelstück.“ In St. Petri, das zeigt sich gestern recht schnell, werden auf die Orgelbauer noch knifflige Aufgaben zukommen. Für gewöhnlich wird das Windwerk einer Orgel ausgebaut, erneuert und dann wieder eingebaut. Fraglich ist, ob dies in der Uelzener Kirche möglich ist. Die Zuwegung ist eng, Nikolas Hillebrand hat sich noch ein Bild vom Aufbau des Windwerks zu verschaffen. Das braucht seine Zeit.

Die Zeit hat die Gemeinde, lange genug hörte sie die Orgel schwer atmen.

Von Norman Reuter

Die Kirchenorgel von St. Petri atmet schwer

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