Uelzenerin erinnert sich an der Wipperau-Querung an ein Kriegserlebnis aus ihrer Kindheit

Eine Brücke als Lebensretter

Anneliese Schumann schaut sich die Stelle an der Wipperau-Brücke an, wo sie sich als Achtjährige verschanzte. Die Brücke hat ihr das Leben gerettet, sagt sie heute. Foto: Peter

Uelzen. Die Brücke über die Wipperau wurde kürzlich für rund 70 000 Euro komplett saniert (die AZ berichtete). Die hölzerne Querung, die in Verlängerung der Uelzener Lindenstraße in Richtung Meyerholzweg in Oldenstadt führt, wurde neu gebaut.

Die Uelzenerin Anneliese Schumann hat zu dem Bauwerk ein besonderes Verhältnis. Denn es hat ihr als Kind im Zweiten Weltkrieg das Leben gerettet, sagt die Uelzenerin.

Anneliese Schumann ist heute 74 Jahre alt. An den besonderen Tag in ihrer Kindheit kann sie sich genau erinnern. Als Kind lebte sie mit ihrer Familie in der Mitte von Oldenstadt, berichtet sie. An einem Tag in der Zeit vor Kriegsende war sie von Oldenstadt aus auf dem Weg zu ihrer Großmutter nach Uelzen. Als sie auf Höhe des Wäldchens nicht weit von der Wipperau-Brücke war, kamen plötzlich Tiefflieger. „Ich hatte Angst und wusste genau, dass etwas nicht stimmt“, schildert Schumann, die zu dem damaligen Zeitpunkt acht Jahre alt war. Der Tiefflieger kam dem Kind bedrohlich nahe. „Der kam so dicht herunter, ich konnte den Mann im Flieger genau erkennen“, erinnert sich die 74-Jährige, während sie den Weg abgeht, über den sie vor 66 Jahren als Kind in Todesangst rannte.

Um sie herum war damals freies Feld, keine Möglichkeit sich zu verschanzen – bis sie die Brücke sah. Als sie diese erreichte, kroch sie auf einer Seite unter den hölzernen Bau, stand damit halb im Wasser. Darunter war sie geschützt vor der Attacke des Tieffliegers. „Die Brücke hat mich gerettet“, sagt die Uelzerin rückblickend, während sie auf der neuen Wipper-au-Brücke steht.

Heute habe die Querung eine andere Bauweise, erklärt die Uelzenerin. Unter der Brücke blieb sie als Kind im Schusshagel nicht sitzen. „Dort standen damals Baracken“, sagt Schumann und deutet von der Brücke in Richtung Lindenstraße. An der Straßenkreuzung stehen heute moderne Wohnungen. Die damals Achtjährige nahm ihren ganzen Mut zusammen und rannte aus ihrem Brücken-Versteck zu den Baracken. Ein paar hundert Meter, die dem Kind damals wie eine kleine Ewigkeit vorgekommen sein müssen. „Dort haben mich dann Leute ins Gebäude gezogen“, schildert die 74-Jährige. Für Anneliese Schumann war dies ein Tag, an den sie sich oft erinnert, vor allem wenn sie mit ihrem Fahrrad an der für sie besonderen Brücke vorbeikommt.

Von Sabine Peter

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