Eine Brücke für Europa

Landrat Theodor Elster und die Vorsitzende des Uelzener Partnerschaftskomitees, Waltraut Hartmann, legten auf dem Friedhof von Bois-Guillaume im Gedenken an die französischen Soldaten, die im Ersten und Zweiten Weltkrieg starben, einen Kranz nieder.

Uelzen/Rouen. Es war ein feierlicher Moment, als Landrat Theodor Elster und die Vorsitzende des internationalen Partnerschaftskomitees des Kreises Uelzen, Waltraut Hartmann, am Sonnabend den Friedhof der französischen Gemeinde Bois-Guillaume betraten. Von Bernd Schossadowski

Seit Donnerstag war die etwa 50-köpfige Delegation aus dem Kreisgebiet zu Gast in der Normandie, um 40 Jahre Partnerschaft mit der Region im Norden und Nordosten von Rouen zu feiern (AZ berichtete). Doch dieser dritte Tag der Reise stand im Mittelpunkt eines ganz anderen Gedenkens: Anlässlich des 65. Jahrestages der Kapitulation der deutschen Wehrmacht am 8. Mai 1945 legten Elster und Hartmann in Bois-Guillaume einen Kranz am Denkmal für die gefallenen französischen Soldaten beider Weltkriege nieder.

Beim anschließenden Empfang im Rathaus von Bois-Guillaume schlug Elster eine Brücke von den Ereignissen vor 65 Jahren zur heutigen Zeit. „Wir haben den Krieg verloren. Somit stand es uns nicht zu, zu sagen, dass wir ein gemeinsames Europa haben wollen, sondern es war Sache der ehemaligen Kriegsgegner“, erinnerte der Landrat. Umso erfreuter war er, dass aus den ehemaligen Feinden im Verlauf der Jahrzehnte enge Freunde geworden sind. Die Einladung durch die französischen Partnergemeinden sei für ihn „eine große Ehre“. Doch auch heute noch gebe es Krieg in der Welt. „Wir wollen gemeinsam daran arbeiten, dass das aufhört“, mahnte Elster.

Für Gilbert Renard, Bürgermeister von Bois-Guillaume, ist der 8. Mai nicht nur ein Tag des Gedenkens an die Kriegsopfer, sondern auch ein Anlass, die 40-jährige Freundschaft zwischen der Region bei Rouen und dem Kreis Uelzen zu feiern. „Wir leben in einem Augenblick, den wir uns vor Jahren noch nicht hätten vorstellen können“, sagte Renard. Den Grundstein für die Versöhnung beider Länder hätten Frankreichs Präsident Charles de Gaulle und Bundeskanzler Konrad Adenauer Anfang der 60er Jahre gelegt, hob er lobend hervor.

Wem die Zukunft in Europa gehört, das hatten am Abend zuvor etwa 25 Jugendliche der Musikschule Uelzen bei einem internationalen Konzert im Festsaal der Nachbargemeinde St. Martin du Vivier bewiesen. Mit schmissigen Liedern spielte sich die Bigband in die Herzen der mehr als 150 Zuhörer. Viel Applaus für einen gelungenen Auftritt erntete auch das Streicher-Ensemble „Camerata“ der Musikschule. Ein Gitarrist aus Torgiano, italienische Partnergemeinde der Region bei Rouen, und ein Chor aus dem spanischen Ort Baix Camp rundeten das musikalische Programm des Abends ab.

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