Mittelalterliche Eichenpfähle können näheren Aufschluss über Uelzens Gründungsjahr geben

Eine archäologische Goldgrube

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Für Uelzens Kreis-Archäologen Dr. Fred Mahler sind die gut erhaltenen Eichenpfähle ein echter Glücksfund.

Uelzen. Die mittlerweile verfüllte Baugrube der Volksbank Uelzen-Salzwedel an der Ecke Gudes-/Mauerstraße ist aus Sicht des Stadt- und KreisArchäologen Dr. Fred Mahler ein archäologische Goldgrube gewesen.

Nicht nur, dass bei den Ausgrabungen im August Gewölbe, Teile der Stadtmauer freigelegt sowie Scherben und andere Gegenstände gefunden wurden, zogen Bauarbeiter vergangene Woche gut erhaltene mittelalterliche Eichenpfähle und -bohlen aus dem Untergrund. Mahlers große Hoffnung: „Das Alter des Holzes lässt sich sehr genau bestimmen. Somit werden wir vermutlich auch die Gründung Uelzens ziemlich genau festlegen können“; sagt Mahler.

Die Ausgrabungen an der Mauerstraße sind mittlerweile zugeschüttet. Bauarbeiter zogen dort die Pfähle aus dem Morast.

In der östlichen Innenstadt sind Teile des Stadttores und der -mauer freigelegt worden. Aufgrund der unmittelbaren Nähe zur Ilmenau wurde die Stadtmauer im Osten auf Holzpfählen und Bohlen gegründet, erklärt Mahler. Die verwitterten in dem sumpfigen Morast im Laufe der Jahrhunderte nicht. Mit Hilfe der sogenannten Dendrochronologie lässt sich das Alter der Pfähle und Bohlen bestimmen. Holzproben will Mahler in der kommenden Woche zu einem Institut nach Göttingen schicken. Dort erfolgt die Datierung erfolgt über den Vergleich der Jahrringserie des Uelzener Holzes mit einer sogenannten Standard- oder Regionalchronologie. Somit lasse sich das Fällljahr des Baumes noch Jahrhunderte später datieren. „Früher wurde das Holz schnell nach dem Fällen verarbeitet. Hätte man es länger liegen gelassen, wäre es fürs Sägen und Spalten zu hart geworden“, weiß Fred Mahler. Es ließe sich die Errichtung der ersten Stadtmauer in Uelzen sehr genau bestimmen.

Mehr noch: Man wisse, dass vor dem Bau der Stadtmauer Uelzen mit einer Palisade, ähnlich wie bei einem Fort im 19. Jahrhundert in den USA, befestigt gewesen sei. „Sollte sich unter dem herausgezogenen Pfählen und Bohlen noch Holz aus den alten Palisaden befinden, können wir die Gründung Uelzens ziemlich genau eingrenzen“, sagt der Archäologe. Bisher gilt, dass um 1250 die Uelzener unter Führung ihre Bürgermeisters Bernhard Nigebuhr ihre alte Siedlung verlassen und sich westlich der Ilmenau niederließen. „Haben sich Menschen neu angesiedelt, sind auch relativ schnell Befestigungen gebaut worden“, sagt Mahler.

Er rechnet noch in diesem Jahr mit den Ergebnissen. Ein oder zwei der besseren der rund ein Dutzend Pfähle und Bohlen will Mahler konservieren lassen, um sie später auszustellen. „Organische Funde wie Holz sind für Archäologen eine Seltenheit“, so Fred Mahler.

Von Jens Schopp

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