Das drohende Aus für die Y-Trasse rückt die Bahnstrecke nach Stendal wieder in den Fokus

„Ein Glücksfall für Uelzen“

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Wo entlang mit den Güterzügen? Die Bahn legt die Planung für die umstrittene Y-Trasse zur Entlastung der Schienenstrecken zwischen Hamburg, Bremen und Hannover auf Eis – jetzt werden Alternativen für die Container aus den Seehäfen gesucht.

Uelzen. Zu teuer, zu lange Bauzeit – die Y-Trasse der Bahn zwischen Hamburg, Bremen und Hannover steht offenbar vor dem Aus. Für die so genannte Amerikalinie zwischen Uelzen und Stendal kann das eine große Chance sein.

Denn die Bahn soll nun Alternativen benennen, um die Container aus dem Hamburger und Bremer Hafen in Richtung Osten und Süden zu transportieren. Eine Möglichkeit ist da der zweigleisige Ausbau der Strecke Uelzen-Stendal, der weiter Richtung Magdeburg und München führt. Für eine solche Verbindung, den so genannten Ost-Korridor, hat die Bahn die Pläne längst in der Schublade. Und die Realisierung könnte schnell gehen. Denn für den Abschnitt von Uelzen nach Stendal ist die Planfeststellung bereits abgeschlossen, er könnte sofort ausgebaut werden.

Und das ist auch nötig, betont die Uelzener SPD-Bundestagsabgeordnete Kirsten Lühmann: „Ich habe schon wiederholt in Hannover und Berlin darauf hingewiesen, dass die Y-Trasse für die Wirtschaft viel zu spät kommt“, betont sie. In Gesprächen mit Hamburger Reedern und der Hafen-Leitung habe sie erfahren, dass das Güteraufkommen schon wieder so hoch wie vor der Finanzkrise sei. „Die Bundesregierung hat diese Flautenzeit nicht genutzt, nun ist es zeitlich noch enger“, betont Lühmann, die Mitglied im Verkehrsausschuss des Bundestages ist. Der Bahn jetzt bis 2013 Zeit zu geben, Alternativen zu erarbeiten, sei zu lang: „Die Pläne für Uelzen-Stendal liegen auf dem Tisch, die Entscheidungen können und müssen vor 2013 fallen.“

Der Ausbau der alten Amerikalinie ist auch eine große Chance für Uelzen – da sind sich Politiker einig. „Wir wären Knotenpunkt zwischen Hamburg, Hannover, Berlin und Bremen, darin sehe ich großes Potenzial“, betont Bürgermeister Otto Lukat. So könne in Uelzen auch ein Verteilerzentrum entstehen.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Jörg Hillmer verweist allerdings darauf, dass für einen solchen Fall die derzeit überlastete Strecke Lüneburg-Uelzen dreigleisig ausgebaut werden müsste: „Das ist das Nadelöhr für die Züge zur Amerikalinie.“

Chancen für die Region sieht auch der CDU-Bundestagsabgeordnete Henning Otte: „Ein Teil der Bahnstrecke Uelzen-Stendal wird ja schon in diesem Jahr zweigleisig ausgebaut. Mit dem Weiterbau könnte Uelzen die Funktion eines Logistikzentrums im Hafenhinterland übernehmen mit der Verknüpfung von Bahn, zukünftiger A 39 und dem Elbe-Seitenkanal“, erklärt er.

In der Uelzener Kommunalpolitik reagierte die SPD-Stadtratsfraktion als erste auf die neue Entwicklung in Sachen Bahnanbindung. „Das Aus für die Y-Trasse kann ein Glücksfall für Uelzen werden“, erklärte deren Vorsitzender Ralf Munstermann. Die Zeit der Alternativensuche müsse „seitens der Verantwortlichen in Stadt und Landkreis genutzt werden, um die notwendige Lobbyarbeit zu leisten, die nötig ist, um die Entscheidungen zu erleichtern“. Schon 2008 hätte die damalige SPD/FDP-Gruppe einen dann einstimmig beschlossenen Antrag eingebracht, der die Schaffung eines Logistikzentrums in Uelzen vorsehe.

„Zusammen mit dem Bau der A 39 bilden diese Infrastrukturmaßnahmen die Chance zur Lösung der allgegenwärtigen Probleme – sowohl wirtschaftlich als auch gesellschaftlich“, hofft Munstermann. Wichtig sei es jetzt, einen Impuls zum einheitlichen Handeln zu setzen: „Das viel beschworene gemeinsame Vorgehen auf Bundes- und Landesebene für die Region muss jetzt von allen Parteien eingefordert werden.“ Die SPD will Bürgermeister und Verwaltung auffordern, die bisherigen Aktivitäten zielgerichtet zu verstärken.

Der Verkehrsclub Deutschland (VCD) forderte derweil die niedersächsische Landesregierung auf, vom überholten Y-Konzept Abstand zu nehmen. Nun müsste unter anderem die Amerikalinie von Bremen nach Uelzen und weiter in Richtung Stendal und Magdeburg stärker beachtet werden.

Von Thomas Mitzlaff

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