Nach dem Verfahren – Jörg Hillmer ist mit sich im Reinen

Eigene Seele nicht vergiften lassen

„Erhobene Vorwürfe waren haltlos“: Jörg Hillmer justiert nach einem nervenzehrenden Ermittlungsverfahren sein Umfeld neu.

Uelzen. Es war eines der Aufregerthemen im Kommunalwahlkampf 2011 – das Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Untreue gegen den hiesigen CDU-Landtagsabgeordneten Jörg Hillmer (AZ berichtete).

Ob in den Medien, bei Wahlkampfveranstaltungen, an Info-Ständen oder den Stammtischen im Landkreis Uelzen – die Recherchen der Staatsanwaltschaft Lüneburg sorgten für Schlagzeilen und Gesprächsstoff. Vorstandsmitglieder der Jagdgenossenschaft Suderburg hatten den Stein – pünktlich zu Beginn des Wahlkampfes – ins Rollen gebracht, dem Christdemokraten Unregelmäßigkeiten bei der Kassenführung vorgeworfen. Mittlerweile sind Monate ins Uelzener Land gezogen, der Pulverdampf verzogen, die Kommunalwahl Vergangenheit, das Ermittlungsverfahren zu den Akten gelegt. In der neuen Rubrik „AZ – Nachgefragt“ blickt der Beschuldigte auf die Geschehnisse des Spätsommers respektive Herbstes zurück.

Das Ermittlungsverfahren gegen Sie ist „mangels hinreichenden Tatverdachts“ gemäß Paragraf 170, Absatz 2, Strafprozessordnung, eingestellt worden. Mit dem notwendigen zeitlichen Abstand – wie schätzen Sie die juristischen Abläufe ein? Das Verfahren ist eingestellt worden, weil der erhobene Vorwurf haltlos war. Mir war wichtig, dass jeder Verdacht ausgeräumt worden ist. Die Staatsanwaltschaft hat aufwändig geprüft und kommt bei jedem einzelnen Vorwurf zu dem Ergebnis, dass keine Untreue vorliegt. Sie fasst gegenüber dem Anzeigenerstatter (Ulrich Kiesow, Vorsitzender der Jagdgenossenschaft Suderburg, d. Red.) zusammen, dass der Vorwurf und die Anzeige „eher unverständlich“ seien. Unser Rechtsstaat ist ein hohes Gut – jeder kann jedem alles Mögliche vorwerfen. Die Staatsanwaltschaft prüft und gibt dann eine deutliche Antwort. In diesem Fall ist auf Steuerzahlerkosten eine mehrfach geprüfte Kasse nochmals intensiv überprüft worden – mit dem wenig überraschenden Ergebnis, dass nichts zu beanstanden ist.

Wie sind Sie innerlich mit den Anschuldigungen umgegangen? Ich habe mich natürlich darüber geärgert, dass jemand einen unberechtigten Vorwurf erhebt, jedes klärende Gespräch ablehnt und dann zum Wahltermin hin eine Anzeige bei der Staatsanwaltschaft abgibt. Dieses Verhalten habe ich als extreme Boshaftigkeit empfunden, weil es nicht auf Aufklärung, sondern auf Schädigung ausgerichtet war, die auch meine Familie in Mitleidenschaft gezogen hat.

Ich habe aber schnell gemerkt, dass der Ärger über die Personen meine Seele vergiften kann. Es war ein aktiver Bewältigungsprozess, auf deren negative Emotionen nicht meinerseits mit negativen Emotionen zu antworten. Ich möchte weiter offen auf alle Menschen zugehen und die guten Seiten in jedem Menschen sehen. Jeder muss selbst Sorge für seinen eigenen Charakter tragen.

In ihrem Heimatort ist durch das Ermittlungsverfahren und die damit einhergehenden Gerüchte Unfrieden gesät worden. Wie schätzen Sie die Situation in Suderburg ein? Es ist und bleibt ein einseitiger Unfrieden, weil ich mich daran gar nicht beteilige. Mir ist wichtig, meine Linie durchzuhalten. Ich habe niemandem Unrecht getan und die Aufgaben, die ich übernommen habe, nachweislich gut erfüllt. Die Herren sind im Ort wohl bekannt und ich habe in den vergangenen Wochen von vielen Menschen über ihre Schwierigkeiten mit den klageführenden Personen erfahren. Da ist im Ort alles klar.

Haben Ihnen die im Spätsommer erhobenen Vorwürfe bei der Kommunalwahl geschadet? Offensichtlich nicht, die Wähler in Suderburg haben mit ihrem Vertrauen in meine Person auch ein Zeichen gesetzt, dass man so nicht miteinander umgehen kann. Ich habe mich sehr über die überwältigende Unterstützung bei der Kommunalwahl gefreut.

Als Kassenprüfer haben Sie ehrenamtlich gearbeitet – können Sie unbescholtenen Bürgern noch ruhigen Gewissens die Übernahme von Ehrenämtern empfehlen? Das hat in der Tat viele Menschen, die selbst eine Kasse betreuen oder ein Ehrenamt innehaben, bewegt. Ich sage eindeutig: Ja, unsere offene Gesellschaft braucht Personen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen, damit aber auch angreifbar werden. Negativen Emotionen wird man immer wieder begegnen, aber sie dürfen nicht prägend für eine Gesellschaft werden.

Von Andreas Becker

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