Hannes Meyer aus Thomasburg ist erster offizieller Winzer der Region Lüneburg

Edle Tropfen auf Heidesand

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„Ich probier’ was aus, was es noch nicht gibt“, sagt Hannes Meyer aus Wiecheln bei Thomasburg. Er hat die Genehmigung zum gewerblichen Weinanbau bekommen.

Thomasburg-Wiecheln. Die Kartoffelernte läuft, die ersten Zuckerrüben sind gerodet – und Hannes Meyer hat die ersten Weintrauben geerntet. Der Biologielehrer aus Wiecheln bei Thomasburg im Landkreis Lüneburg ist ein Pionier. Im vorigen Jahr hat er 150 Reben gepflanzt.

Jetzt hat er die Genehmigung für den gewerbsmäßigen Weinanbau – Niedersachsen wird Weinland.

Eine Portion Mut gehört dazu, auf einem etwa 6000 Hektar großen Kartoffelacker Weinreben zu pflanzen. Mit Zaun wird das eine Investition von etwa 12 000 Euro: „Ich probier’ jetzt was aus, was es noch nicht gibt“, sagt der 31-jährige Pädagoge. „Ich spekuliere mit dem Klimawandel“, fügt er hinzu. Ab dem Jahr 2050 sei in Norddeutschland Weinbauklima zu erwarten.

Das aktuelle Jahr gibt dem Heide-Winzer recht: „Die späte Hitze ist für den Wein perfekt, weil die Trauben unheimlich an Zucker gewinnen.“ Schon im ersten Jahr erreichten die jungen Reben, die in Nord-Süd-Ausrichtung gepflanzt sind, 65 bis 100 Oechsle. 80 sind Voraussetzung für einen guten Wein.

Meyer ist nicht der nördlichste Winzer. Insgesamt zehn Bewerber haben jetzt drei Jahre Zeit, auf insgesamt 7,6 Hektar Rebpflanzungen anzulegen. Möglich macht das eine neue EU-Regelung. Der gewerbsmäßige Anbau ist streng reglementiert. Teilzeit-Winzer gibt es schon länger. Sie haben eine „Norddeutsche Weinstraße“ ausgerufen. An der liegt auch Hitzacker, wo auf dem historischen Weinberg bereits seit 1980 Wein hergestellt wird.

„Die Weinrebe ist an sich ein sehr robustes Gewächs, das auch mit widrigsten Böden umgehen kann“, erklärt Frank Schulz vom Deutschen Weininstitut. Hannes Meyer hat sich zunächst für die junge Sorte Solaris entschieden. „Die reift früher, verträgt das Klima und ist gegen Mehltau resistent“, sagt der Biologielehrer. Denn er will seinen Heide-Wein biologisch, ohne Kunstdünger und Spritzmittel erzeugen. Die kleinen Kniffe des Weinbaus will er sich bei Kollegen im Süden abschauen.

Ganz so ungewöhnlich, wie es zunächst scheint, ist der Weinbau im Norden nicht. „Es ist davon auszugehen, dass überall auf dem Land und besonders bei den Klöstern Wein angebaut wurde“, weiß der Uelzener Kreisarchäologe Dr. Fred Mahler. „Im hohen und späten Mittelalter war es wärmer als heute, so dass es gar keine schlechten Bedingungen waren.“ Allzu hoch dürfte die Qualität nicht gewesen sein, vermutet Mahler, denn der Wein wurde gezuckert oder gewürzt.

Von Gerhard Sternitzke

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