Nach rechtlichem Gerangel: Breitband-Projekt des Kreises nimmt Fahrt auf

Durchbruch bei Netz-Aufbau

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Rohre mit Glasfaser sollen nun ab 2017 verlegt werden.

Uelzen. Nach rechtlichen Auseinandersetzungen soll das Glasfaser-Projekt des Landkreises Uelzen für eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet nun an Fahrt aufnehmen.

Das gewaltige Projekt – Kosten: mehr als 50 Millionen Euro – war im Frühjahr ausgebremst worden. Ein Auftrag für Ingenieursleistungen landete vor der niedersächsischen Vergabekammer, die Ausschreibungsverfahren im Nachgang prüft – und die Kammer ordnete an, dass das Ausschreibungsverfahren für den Glasfasernetz-Auftrag neu aufgerollt werden müsse. Auch ein zweiter Ausschreibungsanlauf endete vor der Kammer. Nach Auskunft des Landkreises seien die Ingenieursleistungen jetzt aber vergeben; es wurde ein Vergleich geschlossen – eine entscheidende Voraussetzung für den zeitnahen Aufbau des Glasfasernetzes und damit für Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde in bisher unterversorgten Gebieten des Landkreises.

Das geplante Glasfasernetz betreiben wird das Lüneburger Unternehmen Lünecom. Dessen Geschäftsführer Norbert Hill sagte gestern auf AZ-Nachfrage, dass nun nach der Vergabe der Ingenieursleistungen geplant sei, im ersten Quartal 2017 an die Einwohner des Landkreises heranzutreten, damit sie sich an das Netz anschließen lassen. Die Vermarktung beginnt im Bereich Bienenbüttel. Bei reibungslosem Verlauf könnten ab Sommer dort die höheren Bandbreiten bereits zu nutzen sein. Schrittweise erfolge dann die Vermarktung und der Netzausbau auch in anderen Teilen des Landkreises. Voraussetzung für den Anschluss eines Gebietes ist aber, dass mindestens 60 Prozent der unterversorgten Haushalte einen Anschluss wünschen.

Lünecom ist an einem schnellen Aufbau des Netzes gelegen. „Mit dem Betrieb des Netzes verdienen wir unser Geld“, so Norbert Hill. Entscheidend ist für Lünecom dabei auch die Zahl seiner Kunden. In mehreren Kreisgebieten wirbt nun auch die Deutsche Telekom um sie, die für sich das Land entdeckte (AZ berichtete). Weil es wie auch andere Telekommunikationsunternehmen bisher aus Kostengründen den Ausbau ihrer Netze mit Glaserfasertechnik gescheut hatte, packte der Landkreis sein Glasfaser-Projekt an.

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Rechtsstreit mit 25 000 Euro Schaden

Die Aussage von Landrat Dr. Heiko Blume zeugt von Erleichterung: „Ich bin froh, dass der Knoten durchschlagen werden konnte und damit die Arbeit jetzt zügig weitergehen kann.“ 

Vor mehr als sechs Monaten wurde das Glasfaser-Projekt des Landkreises ausgebremst. Nach zunächst gefassten Plänen hätte bereits in diesem Winter ein Gebiet im Norden des Kreises mit Bandbreiten von 100 Megabit pro Sekunde versorgt sein sollen, jetzt wird das frühestens ab Sommer 2017 der Fall sein. Rechtliche Auseinandersetzungen zu den nötigen Bauarbeiten führten zu den Verzögerungen. 8600 Kilometer Glasfaserkabel müssen für das geplante flächendeckende Netz verlegt werden. Das Unternehmen „BIB Tech“ aus Rodenberg (Landkreis Schaumburg) übernahm die groben Planungen in den Jahren 2013 und 2014. Was bisher fehlte, war der Feinschliff. 

Für detaillierte Planungen wurden im vergangenen Spätherbst Ingenieurleistungen vom Landkreis europaweit ausgeschrieben. Fünf Bewerber gab es, darunter auch „BIB Tech“. Zum Jahreswechsel vergab der Landkreis die Arbeiten an das Rodenberger Unternehmen, was einem Mitbewerber aufstieß. Er schaltete die Vergabekammer in Lüneburg ein. Der unterlegene Mitbewerber monierte, dass „BIB Tech“ als bereits mit dem Projekt befasstes Unternehmen über mehr Informationen verfügte als die anderen Bieter und deshalb ein kostengünstigeres Angebot abgeben konnte. Die Kammer machte dem Landkreis zur Auflage, die Ingenieursleistungen neu auszuschreiben. Aber auch im zweiten Anlauf scheiterte der Landkreis mit einer Vergabe, wie die Kreisverwaltung gestern erstmals auf AZ-Nachfrage informierte. 

Mit einem nun geschlossenen Vergleich kann das Projekt weiter vorangetrieben werden. Den Feinschliff bei den Planungen übernehmen demnach das Konsortium MRK Media AG und TKI Tele-Kabel-Ingenieursgesellschaft aus Chemnitz. Sie übernehmen, so formuliert die Kreisverwaltung, den „Staffelstab“ von der BIB Tech GmbH. Für eine Stellungnahme war BIB Tech-Direktor Dr. Hans-Peter Schöne nicht zu erreichen. Neben dem zeitlichen Verzug enstand auch ein finanzieller Schaden von 25 000 Euro. Dieses Geld hatte der Landkreis nach der ersten Entscheidung der Vergabekammer für die zweite Ausschreibung in die Hand nehmen müssen.

Von Norman Reuter

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