Durchblick speckt ab

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Nicht verzagen auf den Waagen: Die "Durchblick"-Redaktion hat die Diät-Tipps von Prominenten unter die Lupe genommen.

Von Michael Koch - Karl Lagerfeld hat es gemacht, Ex-Dschungel-Camp-Kandidat Harry Wijnvoord ebenso und Sasha Walleczek, österreichische Ernährungsexpertin und Fernsehmoderatorin, hat jetzt nachgelegt:

Sie alle haben über das Schlankwerden geschrieben bzw. dafür geworben – mit teils ernüchternden, teils vorzeigbaren Ergebnissen. Und sie treffen den Nerv der Zeit: Gerade für viele junge Menschen gehört Schlanksein zum Schönheitsideal.

Harry Wijnvoord, einstiger Moderator der Sendung „Der Preis ist heiß“, hat im TV offensiv für einen Schlankmacher-Drink geschwärmt. Dass dessen Wirkung bei ihm wohl zu wünschen übrig lies, bzw. er trotzdem noch ein guter Esser blieb, zeigte sich spätestens, als Wijnvoord in Australiens Dschungel (aktuell läuft die vierte Staffel von „Ich bin ein Star – holt mich hier raus!“) in kurzer Hose und T-Shirt herumtobte – schlank sieht anders aus.

Sichtbar abgespeckt hat Mode-Magnat Karl Lagerfeld. Er verlor einige Kilos und hielt seine Erfahrungen fest. In seinem Buch „Die 3-D-Diät“ beschreibt er seinen Weg zum schlankeren Ich. Bei seiner Diät handelte es sich um die Gewichtsreduktion ohne Zuhilfenahme von Medikamenten. Lagerfeld rät zum ausschließlichen Verzehr von Proteinen und diversen Gemüsesorten. Pro Tag nahm er nicht mehr als 1200 bis 1600 Kalorien zu sich. Zusätzlich baute er auf appetithemmende Ergänzungsstoffe, einen Nahrungszusatz, der die Aufnahme von Fetten und Zucker im Körper verringert sowie Nahrungsergänzer gegen Stress. Problematisch: Eine ärtzliche Überwachung war dabei dringend erforderlich.

Ohne einen Arzt im Nacken und Kalorienzählen will es Moderatorin Sasha Walleczeck geschaft haben, die Pfunde loszuwerden. Sie sagt: „Die eigene Hand ist die einzige Maßeinheit, die man braucht“: Jede Hauptmalzeit sollte ungefähr aus einer handflächengroßen Portion Eiweiß, einer faustgroßen Portion stärkehaltiger Kohlenhydrate und mindestens zwei faustgroßen Portionen Gemüse bestehen.“ Und weil nicht jeder auf Anhieb weiß, welche Nahrungsmittel besonders stärke- bzw. eiweißhaltig sind, hat Sasha Walleczeck das alles in ihrem Buch „Schlank mit der Faustformel“ festgehalten. Wie Diät-Willige vorgehen müssen, die von Natur aus sehr große oder eher kleine Hände haben, das wird in ihrem Buch jedoch nicht verraten.

Patric Heizmann, Sportmanager und Personaltrainer, setzt beim Abnehmen auf „Kleine Schritte mit großer Wirkung“. Statt auf radikale Einschnitte rät Heizmann zu eher kleineren Veränderungen im Essverhalten, die die Pfunde nach und nach, dafür aber dauerhaft purzeln lassen. Denn fast jeder habe schon einmal den Versuch unternommen, abzunehmen, so Heizmann. Die Wahrheit sei aber, dass 80 Prozent aller Diäten scheitern. „Man setzt sich oft unmögliche Ziele und verlangt zu viel von sich“, erklärt der Fitnessexperte dieses Phänomen. Wer mehr über das Abnehmen in kleinen Schritten erfahren möchte: Heizmann macht auf seiner Deutschland-Tournee „Ich bin dann mal schlank“ am 17. April Halt in Hannover, Karten dazu gibt’s in der AZ-Geschäftsstelle.

Schlanke Menschen leben in der Regel gesünder, darüber sind sich viele Mediziner einig. Erschreckend ist in diesem Zusammenhang, dass jeder zweite Deutsche laut zahlreicher Ernährungsstudien viel zu viel wiegt. Abnehmen um jeden Preis kann aber ebenfalls gesundheitsschädlich, ja sogar lebensgefährlich sein. Bekanntestes Negativ-Beispiel aus jüngster Zeit ist Model Isabelle Caro. Sie war magersüchtig und stellte ihren gepeinigten Körper zur Schau, um andere vor der Krankheit zu warnen. Jetzt ist sie tot. Sie starb laut Medienberichten vermutlich an einer Lungenentzündnung.

Silvia Haker, Ärztin beim Sozialpsychatrischen Dienst und der Suchtambulanz Uelzen warnt: „Es gibt beim Abnehmen ganz klar eine Gewichtsgrenze.“ In den meisten Fällen merken die betroffenen Patienten gar nicht, dass sie stark untergewichtig sind, so die Medizinerin. „Meist sind es die Angehörigen, die uns aufsuchen.“ Soweit wie beim Magermodel Isabelle Caro muss es aber nicht kommen. Ärzte, TV-Stars, Fitness-Experten und Mode-Macher haben scheinbar Recht, wenn sie sagen: Richtiges Essen ist eine Sache der Einstellung – nur übertreiben sollte man es nicht. 

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