Energieversorger stellen säumigen Zahlern im Kreis Uelzen nur selten den Strom ab

Dunkelheit als letztes Mittel

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Ein Haushalt ohne Strom und nur mit Kerzenlicht: Damit müssen säumige Zahler nach einem Urteil des Bundesgerichtshofs rechnen. Den Stromsperrungen gehen aber Mahnungen voraus.

Uelzen/Landkreis. Es ist ein alptraumhafter Gedanke: Ausgerechnet an Weihnachten sitzen Familien zu Hause im Dunkeln, weil ihnen der Strom abgestellt wurde.

Doch genau das könnte nach einem aktuellen Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH) theoretisch überall in Deutschland passieren. Der BGH hat nämlich jetzt bestätigt, dass Energieversorger säumigen Zahlern den Strom abdrehen dürfen. Im Landkreis Uelzen kommt so etwas aber nur sehr selten vor, erklären die SVO und die Stadtwerke Uelzen auf AZ-Anfrage.

„Der Anteil der Haushalte, denen wir den Strom gesperrt haben, liegt weit unter einem Prozent“, sagt SVO-Pressesprecher Andreas Gerow. Insgesamt habe der Versorger rund 133 000 Stromkunden in den Landkreisen Uelzen und Celle. Rechtlich dürften Energieanbieter zu diesem Mittel greifen, wenn Haushalte mit Zahlungsverpflichtungen von mindestens 100 Euro im Verzug seien, betont Gerow. Dem gehe bei der SVO jedoch ein frühzeitiges Mahnverfahren voraus – mit zwei aufeinanderfolgenden schriftlichen Sperrandrohungen innerhalb mehrerer Wochen. Nur wenn die Kunden nicht auf die Mahnungen reagierten, drohten ihnen Stromsperrungen.

Auch die Stadtwerke Uelzen stellen ihren Kunden nach eigenen Worten nur äußerst selten den Strom ab. „Die Anzahl der säumigen Zahler pro Jahr liegt in einem überschaubaren Bereich“, teilt Stadtwerke-Pressesprecherin Franziska Albrecht auf Anfrage mit. Konkrete Zahlen will sie aber nicht nennen. Bei mycity werde ebenfalls zunächst ein Mahnverfahren in Gang gesetzt, bevor es zur Stromsperrung komme, so Albrecht. Der Grundversorger sei berechtigt, den Strom vier Wochen nach vorheriger Androhung unterbrechen zu lassen, falls der Kunde seine Zahlungsverpflichtungen nicht erfülle.

Doch dazu muss es gar nicht erst kommen. Denn bei SVO und Stadtwerken Uelzen sind unter bestimmten Voraussetzungen Ratenzahlungen möglich. „Wir sind zu Gesprächen bereit. Jeder Fall wird separat geprüft“, erklärt Gerow. Sollte es aus unvorhergesehenen Gründen zum Zahlungsverzug kommen, rät Albrecht den Kunden der Stadtwerke Uelzen, sich umgehend mit dem Energieversorger in Verbindung zu setzen – „um rechtzeitig eine Lösung finden zu können, damit zusätzliche Mahn- und Sperrkosten vermieden werden können“.

Frühzeitige Kontaktaufnahme legt auch Kirchenkreis-Sozialberaterin Tanja Klomfass säumigen Zahlern ans Herz. Einige Betroffene meldeten sich erst, wenn ihnen der Strom bereits abgestellt worden sei. Viel besser sei es, sich an die maßgeblichen Anlaufstellen, zum Beispiel an die Schuldnerberatung, die Diakonie-Sozialberatung oder das Jobcenter zu wenden, sobald das erste Mahnschreiben eingetroffen ist. „Dann kann man schneller und besser reagieren“, so Klomfass. Im Schnitt seien es zwei bis drei Kunden pro Monat, die sich bei der Diakonie meldeten, weil bei ihnen Strom abgestellt wurde oder das unmittelbar bevorstehe.

Von Bernd Schossadowski

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