Dubiose Sammler selbst in Not

Immer wieder hatten die Sammler von „Kinder in Not“ in Uelzen Ärger mit der Polizei – mittlerweile ist der Verein aufgelöst.Archivfoto: Ph. Schulze

Uelzen - Von Thomas Mitzlaff. „Haben Sie ein Herz für krebskranke Kinder?“ fragte die Frau im Clownkostüm in der Uelzener Fußgängerzone und klimperte lautstark mit der Sammelbüchse.

Münze um Münze und auch mancher Schein wanderte in den Schlitz – sehr zur Freude des weiblichen Clowns. Denn die Hälfte der Einnahmen soll sie behalten haben, von der anderen Hälfte floss der größte Teil in die Taschen ihres Chefs – nur krebskranke Kinder haben von dem Geld so gut wie nichts gesehen. Davon ist die Staatsanwaltschaft Lüneburg überzeugt und hat jetzt gegen den damaligen Vorsitzenden des Bardowicker Vereins „Kinder in Not“, Jürgen W., sowie gegen eine weitere 29-jährige Vorsitzende Anklage wegen gemeinschaftlicher gewerbsmäßiger Untreue erhoben.

Dem Uelzener Ordnungsamt und der Polizei waren die dubiosen Sammler schon immer ein Dorn im Auge gewesen, wiederholt wurden die zwielichtigen Clowns der Fußgängerzone verwiesen. Und die Zweifel an der Seriosität des angeblichen Einsatzes für in Not geratene Kinder waren berechtigt – daran hat die Anklagebehörde keinen Zweifel. So wird den beiden früheren Vorsitzenden vorgeworfen, das gesammelte Geld nicht auf das Vereinskonto eingezahlt und für gemeinnützige Zwecke verwendet, sondern die Spenden überwiegend für eigene Zwecke ausgegeben zu haben. Zahlreiche Sammler waren in die Fußgängerzonen verschiedener norddeutscher Städte geschickt worden.

Die Anklage geht davon aus, dass die Angeschuldigten von November 2007 bis Oktober 2008 Geldspenden von mindestens 127 000 Euro einkassierten und sich so eine dauerhafte Einnahmequelle sicherten. Dabei sollen sie die gesammelten Münzen, rund 59 000 Euro, bei Banken in Noten umgetauscht haben, um damit ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Zum anderen sollen sie Spendengelder in Höhe von rund 68 000 Euro auf eigene Konten eingezahlt haben, um mit diesem Geld ihren gehobenen Lebensstil zu finanzieren. Nach den Ermittlungen der Staatsanwaltschaft wurden lediglich 8650 Euro an Einrichtungen für Kinder überwiesen.

Jürgen W. wirft die Anklage zudem vor, im Mai 2008 gegenüber dem Gerichtsvollzieher eine falsche eidesstattliche Versicherung abgegeben zu haben, indem der 47-Jährige erklärte, seinen Lebensunterhalt von einem monatlichen Taschengeld seiner Eltern in Höhe von 800 Euro zu bestreiten und er seine tatsächlichen Einnahmen – insbesondere die Spendengelder – verschwieg.

Der Verein hieß zunächst „Kinder in Not“ und als sich die Medien mit ihm zunehmend kritisch befassten „Gegen Kinderarmut“. Er ist mittlerweile aufgelöst. Ende 2010 waren in Uelzen dann Sammlerinnen eines Vereins „Hilfe für schwerkranke Kinder“ unterwegs. Von den Frauen mitgeführte Unterlagen enthielten auch eine Faxnummer – sie gehörte Jürgen W. in Bardowick.

Kommentare