„Mensch 2012“: Ehrenamtliches Team betreut Kinder nach der Schule am Stern

„Du, Frau Teske...“

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Hedda Teske (Dritte von links unten) und ihr Team teilen die Begeisterung für die Arbeit mit Kindern. Im Kindertreff am Stern betreuen sie Schüler nach Unterrichtsschluss.

Uelzen. Wenn die Eltern streiten, der erste Liebeskummer schmerzt oder die Noten nicht stimmen – Hedda Teske und ihr Team vom Kindertreff am Stern haben stets für alle Sorgen und Freuden ihrer Schützlinge ein offenes Ohr. Rund 30 Kinder betreut die 23 Köpfe zählende Truppe.

Die Betreuer versorgen Schüler der Sternschule viermal wöchentlich nach Unterrichtsschluss mit einer warmen Mittagsmahlzeit, helfen bei den Hausarbeiten, spielen, toben und vor allem: schenken Aufmerksamkeit. Das hat sich Hedda Teske, Leiterin des Kindertreffs, auf die Fahnen geschrieben, dafür steht die 75-jährige. Sie und ihr Team wurden für die Aktion „Mensch 2012“ von der AZ und der Sparkasse Uelzen Lüchow-Dannenberg in Zusammenarbeit mit dem Volkswagen Zentrum Uelzen nominiert.

Die Arme vor der Brust verschränkt sitzt sie im Kreise der „Großmütter“, wie sich der feste Kern ihrer Helfer mit einem Augenzwinkern selbst bezeichnet. Teskes Augen wandern stolz durch die Runde. „Verlässlichkeit“, sagt sie, zeichne ihre Zusammenarbeit aus. Das sei das A und O ihrer täglichen Arbeit, und sie weist nach links. Monika Großmüller arbeite seit neun Jahren dreimal die Woche im Kindertreff, habe nur ein einziges Mal gefehlt, lobt sie den bedingungslosen Einsatz ihrer Mitarbeiterin stellvertretend für die Arbeit des gesamten Teams. „Das Team“, das sind Lehrer, Rentner, Eltern, Großeltern, Menschen mit einer sozialen Ader – so wie Hedda Teske sie hat. Die quirlige Uelzenerin, die seit 2009 auch Trägerin des Bundesverdienstordens ist, stammt ursprünglich aus Cottbus und ist 1945 in den Landkreis Uelzen geflüchtet. Im Sternenviertel lebt und arbeitet die Mutter zweier Söhne schon seit vielen Jahren, war dort auch Lehrerin an der Sternschule. Nicht zuletzt deshalb weiß sie um die alltäglichen Sorgen von Schülern und Eltern.

Bei ihrer Arbeit, sagt Teske, habe sie schließlich auch die „Schlüsselsituation“, den Anstoß zu ihrem sozialen Engagement erlebt: „Zwei Mädchen, deren Mütter arbeiteten, trieben sich nur noch auf der Straße herum, wurden zunehmend schlechter“, erinnert sie sich. Um zu helfen bat Hedda Teske den schon damals bestehenden Kindertreff am Hagenskamp, die beiden Heranwachsenden mit zu betreuen. „Ich konnte zusehen, wie sie wieder besser geworden sind“, erzählt das Uelzener Urgestein begeistert, ihre Augen blitzen vor Enthusiasmus. Und Pastor Ullrich Hillmer wirft ein: „Es ist allein der Verdienst von Hedda Teske, dass der Kindertreff das geworden ist, was er heute ist.“

Die aber winkt bescheiden ab – das Team sei es schließlich, dem der Dank zustünde. Sie selbst sieht sich nicht gerne im Mittelpunkt und lenkt das Gespräch stets geschickt auf den ehrenamtlichen Einsatz ihrer Mitarbeiter – lobt Francesco Garibaldi für seine Küche, diskutiert mit Hans Schneider über Ganztagsschulen und schwelgt mit ihren Kolleginnen in Erinnerungen. Die beschreiben die fünffache Großmutter als uneigennützig und großherzig, als „treibende Kraft, die alle zusammenhält“, immer „freundlich aber konsequent“. Die Kinder wüssten schon, wer die Chefin ist, daher würde sie auch stets mit „Du, Frau Teske“ angesprochen.

Die Ehrenamtlichen, darunter auch drei Männer, pflegen einen engen Bezug zu ihren Schützlingen und hüten auch schon mal das ein oder andere Geheimnis. Als „Ersatzeltern“ sehen sie sich deshalb aber nicht. Vielmehr schätzen sie die enge Zusammenarbeit mit den Familien und Lehrern und die wiederum sind dankbar, ihren Nachwuchs in liebevollen Händen zu wissen. Deshalb sind Hedda Teske und ihr Team nominiert für „Mensch 2012“, die AZ-Leser können bis zum 3. Februar abstimmen.

Von Anna Petersen

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