Streiks, Qualitätsverlust – unter der Belegschaft der Eisenbahngesellschaft herrscht Zukunftsangst

Droht Metronom die Zerschlagung?

Wieder traten die Lokführer des Metronom in den Ausstand – hier ein Archivfoto vom Bahnhof Uelzen. Foto: dpa

Uelzen. „Für die GDL sieht es klar danach aus, dass der Metronom von den Gesellschaftern, allen voran der italienischen Netinera-Gruppe, an die Wand gefahren werden soll“, schreibt die Lokführer-Gewerkschaft in einer Pressemitteilung. Für Außenstehende liest sich das wie der eher schwache Versuch, den festgefahrenen Tarif-Streit mit der Privatbahn irgendwie noch zu rechtfertigen.

Doch unter der Belegschaft des Uelzener Eisenbahnunternehmens sorgen solche Äußerungen in ohnehin schon turbulenten Streik-Zeiten für zusätzliche Unruhe. Denn hier wird öffentlich ausgesprochen, was unter den Mitarbeitern schon lange ein Thema ist: Die Angst vor der Zerschlagung des Metronom.

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Die Demontage des noch jungen Unternehmens begann vor einem Jahr mit der Entlassung der beiden Geschäftsführer – Gründungsväter des Metronom, die schnell eine Erfolgsgeschichte schrieben und auch den Mut hatten, den Gesellschaftern die Stirn zu bieten, wenn sie um das Wohl „ihrer“ Eisenbahn besorgt waren. Nachdem die unangenehmen Chefs gefeuert waren, setzten die Gesellschafter mit Wolfgang Birlin einen Mann auf den Posten, der eigentlich beim Metronom-Gesellschafter OHE beschäftigt ist und den Uelzener Job gewissermaßen nebenbei an einem Tag in der Woche mit erledigen soll. Metronom wurde schnell zum Spielball verschiedener Interessengruppen.

Dass etwas nicht stimmte, merkten die Mitarbeiter zunächst im Alltagsbetrieb, in dem es immer wieder hakte. Doch auch die Pendler bekamen die Änderungen zu spüren: Zum Fahrplanwechsel 2011 wurde beispielsweise die begehrte Stammplatz-Reservierung abgeschafft.

Richtig Unruhe kam dann auf, als Metronom sich überraschend nicht für die Strecken des attraktiven Heidekreuzes bewarb. Zuvor war das Uelzener Eisenbahn-Unternehmen stetig gewachsen, hatte immer neue Ausschreibungen für Nahverkehrs-Strecken gewonnen. Doch fürs Heidekreuz gab Metronom keine Bewerbung ab – mit verantwortlich dafür: OHE-Mann und Metronom-Chef Wolfgang Birlin. Stattdessen bewarb sich die OHE, obwohl sie eigentlich nur Güterverkehr betreibt und gewann prompt die Ausschreibung...

Unter der Belegschaft befürchtet man jetzt, dass die OHE und die anderen Gesellschafter die Filetstücke des Metronom unter sich aufteilen werden. Schon länger kursiert unter Branchenkennern das Szenario, dass Ende 2013 Metronom die Strecke Uelzen-Göttingen verlieren könnte, die Strecke Hamburg-Cuxhaven dann von der „Eisenbahnen und Verkehrsbetriebe Elbe-Weser“ (EVB) übernommen und die pendlerstarke Strecke Uelzen-Hamburg-Bremen an die Hamburger Hochbahn bzw. deren Expansionstochter Benex gehen könnte.

Lediglich der Name Metronom bliebe erhalten, das Personal aber würde schlechter bezahlt. Da kommt der Streik der GDL, die die gleichen Löhne für Lokführer auch bei einem Betreiberwechsel fordert, denkbar ungelegen.

Ein Gespräch mit der AZ verweigert der neue Metronom-Geschäftsführer Wolfgang Birlin – seit mittlerweile einem Jahr.

Von Thomas Mitzlaff

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