Droht Abbau von Stellen?

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Die Hilfe für Hartz-IV-Empfänger muss aus rechtlichen Gründen auf neue Beine gestellt werden. Sollte der Landkreis Uelzen diese Aufgabe allein übernehmen, befürchtet die Arbeitsagentur, dass Stellen in ihrem eigenen Telefon-Service-Center abgebaut werden müssten.

Uelzen/Landkreis. Die Uelzener Agentur für Arbeit befürchtet einen Personalabbau in ihrem etwa 140 Mitarbeiter zählenden Telefon-Service-Center für den Hartz-IV-Bereich, falls der Kreis Uelzen die alleinige Betreuung von Langzeitarbeitslosen übernehmen sollte. „Es könnte sein, dass dann die eine oder andere Stelle wegfallen würde“, sagt die stellvertretende Agentur-Leiterin Christine Karstens gegenüber der AZ. Konkrete Zahlen kann und will sie aber nicht nennen. Von Bernd Schossadowski

Wie berichtet, überlegt der Kreis Uelzen, das Optionsmodell einzuführen. Dann würde er die Betreuung von Hartz-IV-Empfängern selbst übernehmen. Bislang gibt es vor Ort die getrennte Aufgabenwahrnehmung: Die Agentur gewährt das Arbeitslosengeld II, der Kreis übernimmt die Kosten der Unterkunft der Hilfeempfänger.

Doch dieses Modell muss aus rechtlichen Gründen nach dem 31. Dezember 2010 auf neue Beine gestellt werden. Zwei Möglichkeiten gibt es: entweder das Optionsmodell oder die Gründung eines Jobcenters. Bei dieser Nachfolge-Variante der jetzigen Arbeitsgemeinschaften (Argen) würden Kreis und Agentur die Leistungen für Langzeitarbeitslose gemeinsam erbringen.

Eine erste Weichenstellung ist am heutigen Dienstag möglich. Dann berät der Kreisausschuss, ob sich der Landkreis um die Einführung des Optionsmodells bewerben soll. Bundesweit sind 110 Optionskommunen zugelassen, die Entscheidung darüber fallen die jeweiligen Länder.

Christine Karstens will sich zu diesem Modell nicht äußern. „Das ist eine rein politische Entscheidung“, betont sie. Sie weiß aber, dass Kommunen, die Hartz-IV-Empfänger in Eigenregie betreuen, auch die telefonische Erreichbarkeit selbst organisieren wollen. Das bedeutet: Sie müssten – anders als im Jobcenter – nicht aufs Agentur-eigene Service-Center zurückgreifen. Dessen Uelzener Standort ist nach den Worten von Christine Karstens aber nicht in Gefahr. „Wir telefonieren viel weitreichender als nur mit dem Landkreis Uelzen“, erklärt sie. Weitere Kooperationspartner seien zum Beispiel die Arge Lüneburg und die Arbeitsagentur Celle.

Ganz eindeutig spricht sich Christine Karstens für die Einführung eines Jobcenters aus. „Der große Vorteil dabei ist, dass beide Kooperationspartner ihre jeweiligen Kompetenzen gemeinsam für die Kunden nutzen können“, sagt sie. „Ich denke, dass Agentur und Landkreis sich wunderbar ergänzen.“ Auch bei der bislang getrennten Aufgabenwahrnehmung arbeiten beide Seiten ihrer Ansicht nach sehr gut zusammen.

Aufgeschlossen steht hingegen der CDU-Landtagsabgeordnete und Kreistagspolitiker Jörg Hillmer einer Bewerbung des Kreises Uelzen für das Optionsmodell gegenüber. „Es bietet uns die Chance, Sozialpolitik aus einer Hand und in einem Guss ohne Kompetenzgerangel zu machen“, sieht er große Chancen bei einer Bündelung: Die Kreisverwaltung habe da ein großes Potenzial. Hillmer ist dagegen, diesen Bereich der Sozialpolitik an den Bund abzutreten. „Wir haben da eine kommunale Verantwortung für die Schwächsten unserer Gesellschaft“, bekräf-tigt er.

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