Drogba für die Kreisliga

Beim SC Kirch- und Westerweyhe trainieren jetzt Flüchtlinge

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Didier Drogba feiert mit dem FC Chelsea im Mai 2015 den Titel in der Premier League.

Uelzen. „Wow, das war wie Drogba“, ruft man derzeit häufiger beim SC Kirch- und Westerweyhe.

Wie Didier Drogba kommen auch Gäste des SC Germania von der Elfenbeinküste.

Der Vergleich mit dem ehemaligen afrikanischen Fußballer des Jahres und amtierenden englischen Meister hilft beim Training des Fußball-Kreisligisten bei der Integration von Flüchtlingen. Neun Trainingsgäste hat die Mannschaft von Trainer Uwe Keunecke seit kurzem und wie Drogba kommen sie von der Elfenbeinküste. Einer der neun ist allerdings aus Gabun: Henri. Und er war Auslöser für das neue Miteinander. Verteidiger Hendrik Thiele bekam vor kurzem einen Anruf. Es gäbe da in Kirchweyhe einen, der in Gabun schon in der ersten Liga spielte. Thiele, mit guten Sprachkenntnissen ausgerüstet, machte sich auf den Weg. „Und als ich ankam, war da nicht einer, sondern neun“, berichtet er.

Alle sind seither regelmäßig Trainingsgäste. Spieler Arne Moritz fährt vor jedem Training mit dem Vereinsbus nach Kirchweyhe, um sie nach Westerweyhe zum Trainingsplatz zu fahren, Trainer Keunecke macht die Trainingsbesprechung am Tablet mittlerweile auf drei Sprachen – Deutsch, Französisch und Englisch – und Mannschaft und Gäste arrangieren sich.

Pechvogel Henri ist aus Gabun.

„Manchmal kommt unser Rhythmus ein bisschen durcheinander, weil Dinge länger erklärt werden müssen“, berichten Thiele und Keunecke. Im Großen und Ganzen funktioniere das Miteinander aber gut. Und der Trainer ist von der Euphorie der Neulinge hin und weg: „Das habe ich noch nicht erlebt, die Freude, mit der die zum Training kommen!“ Von kurzer Dauer war die Freude allerdings bei Pechvogel Henri. Die ersten Trainingseindrücke waren vielversprechend – der ehemalige Erste-Liga-Spieler kugelte sich nach einer Dreiviertelstunde aber die Schulter aus und musste ins Krankenhaus.

Nach dem Unfall gab es aus der Mannschaftskasse Geld für die fällige Bandage. Nur ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft des Teams, das auch ausgediente Fußballschuhe und Trikots spendete, damit die Gäste bei den Einheiten gut ausgerüstet sind.

Zu einer Win-Win-Situation könnte die Geschichte auch noch werden. Sollten die Spieler bleiben und für den Verein spielen wollen, wird man sich um Spielberechtigungen kümmern. Vier hätten das Potenzial, den Kreisligisten zu verstärken, meinen Trainer und Spieler. Und außerdem gebe es noch eine zweite und dritte Mannschaft.

Neben der Integration läuft beim SC die Vorbereitung auf die Rückrunde. Das Team steht auf dem ersten Tabellenplatz in der Kreisliga. Gut möglich, dass es in der nächsten Saison auch bei Bezirksligaspielen heißt: „Wow, das war wie Drogba!“

Von Steffen Kahl

Anmerkung: In der Druckversion der AZ steht heute fälschlicherweise der Vereinsname "SC Germania Kirchweyhe". Diesen Verein gibt es nicht. Die falsche Bezeichnung geht auf missverständliche Mitteilungen in der Kommunikation zu dem Artikel zurück. (sk)

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