Mehrere Sichtungen in einer Woche: Wölfe wandern durch die Region

„Dreifuß“ humpelt durch die Heide

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Streift über den Rheinmetall-Schießplatz: „Dreifuß“ ist vermutlich einer der drei Wölfe, die vor rund einem Jahr auf dem Truppenübungsplatz in Munster in die Foto-Falle getappt sind. Seinen Spitznamen hat er bekommen, weil er eine Beinverletzung hat und humpelt.

Unterlüß/Landkreis. „Socke“ heißt der Wolf im Film „Der mit dem Wolf tanzt“, „Dreifuß“ heißt der Wolf, der durch den Landkreis Uelzen streift. „Wir haben drei Nachweise innerhalb von einer Woche“, sagt der Wolfsexperte Theo Grüntjens.

Der Förster auf dem Gebiet der Rheinmetall AG verfügt über drei sogenannte C1-Nachweise. C1-Nachweis bedeutet, dass das Tier fotografiert wurde, dass Blut oder DNA gefunden wurden oder dass ein totes Tier entdeckt wurde.

Reh gerissen: Vermutlich ein Alt-Wolf hat in der Nacht ein Reh gerissen.

„Wir wussten schon lange, dass es die Wölfe gibt“, sagt Grüntjens. Auf dem Gelände von Rheinmetall tauchen vereinzelte Wölfe auf. Ein Rudel gab es dort nie. Eine Wolfsfamilie ist hingegen vor rund einem Jahr auf dem Truppenübungsplatz in Munster aufgetaucht und dort in eine sogenannte Foto-Falle getappt. Auf den Bildern ist zu erkennen, dass das Tier einen seiner vier Läufe schont. „Er hat ein kaputtes Bein. Warum er humpelt, wissen wir aber nicht“, schildert Grüntjens. Ein Jagdschaden sei es nicht, ein Notabschuss nicht notwendig, weil das Tier wohlgenährt sei. Auch nach Aussagen von Veterinärmedizinern sei der Wolf bei guter Kondition. Doch brachte dem Tier sein Humpeln eben den Spitznamen „Dreifuß“ ein.

Trotz seines Handicaps ist „Dreifuß“ in einem großen Radius unterwegs. Nachweise innerhalb kurzer Zeit gab es bei Wriedel, Unterlüß und Wietzendorf. „Schwerpunkt ist im Westkreis Uelzen, aber auch im Osten und Süden“, weiß der Förster, „im Prinzip können die überall auftauchen.“ Schließlich kann ein Wolf bis zu 70 Kilometer pro Nacht wandern. „Es ist ein riesiges Aktionsfeld für einen fußkranken Wolf“, findet der Wolfsexperte.

Gerade gestern Nacht wurde Grüntjens zu einem weiteren C1-Nachweis gerufen. Es handelte sich um eine Reh-Rissmeldung bei Wriedel. „Wir haben eine DNA-Probe entnommen“, erläutert der Rheinmetall-Förster. Es dauert jedoch noch einige Wochen, bis ein Ergebnis vorliegt. Dann allerdings könne der Familienstamm nachgewiesen werden.

Neue Wolfsnachweise gibt es nicht nur im Landkreis Uelzen, sondern auch aus dem Emsland und dem Wendland. Im Wendland (Raum Gartow) konnte bereist im Herbst 2012 die Anwesenheit eines Wolfes nachgewiesen werden. Jetzt sind dort zwei Wölfe kurz nacheinander in die Fotofalle getappt, wie eine Bilderserie belegt. Insgesamt sind damit nun zehn Wölfe in Niedersachsen sicher nachgewiesen.

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